Beding­te Ent­las­sung – und die bereits getilg­ten Vor­stra­fen

Bei der Leg­al­pro­gno­se nach § 57 StGB unter­lie­gen getilg­te Vor­stra­fen einem Ver­wer­tungs­ver­bot.

Beding­te Ent­las­sung – und die bereits getilg­ten Vor­stra­fen

Vor­stra­fen des Ver­ur­teil­ten dür­fen nicht zum Nach­teil des Gefan­ge­nen ver­wer­tet wer­den, wenn die­se Ver­ur­tei­lun­gen aus dem Bun­des­zen­tral­re­gis­ter getilgt sind und somit ein gesetz­li­ches Ver­wer­tungs­ver­bot gemäß § 51 Abs. 1 BZRG, das auch bei Ent­schei­dun­gen über die Aus­set­zung des Straf­res­tes einer Frei­heits­stra­fe nach § 57 StGB zu beach­ten ist, besteht 1.

Dies gilt es auch zu beach­ten, soweit sich die Straf­voll­stre­ckungs­kam­mer bei ihrer ableh­nen­den Ent­schei­dung auf ein von ihr ein­ge­hol­tes kri­mi­nal­pro­gnos­ti­sches Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten stützt, das eine posi­ti­ve Leg­al­pro­gno­se u.a. auch auf die­se Vor­de­lin­quenz grün­det. Das ein­ge­hol­te kri­mi­nal­pro­gnos­ti­sche Gut­ach­ten unter­liegt inso­weit einem erheb­li­chem Man­gel, so dass des­sen grund­le­gen­de Nach­bes­se­rung erfor­der­lich ist.

Auch § 52 Abs. 1 Nr. 2 BZRG kann eine sol­che Ver­wer­tung nicht recht­fer­ti­gen, da mit Geis­tes­zu­stand i.S. des § 52 Abs. 1 Nr. 2 BZRG der psy­chi­sche Zustand des Ange­klag­ten zum Zeit­punkt der Tat­be­ge­hung gemeint ist und nicht die – hier im Rah­men der Straf­aus­set­zung – zu tref­fen­de Pro­gno­se­ent­schei­dung zur Gefähr­lich­keit des Ver­ur­teil­ten 2.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 3. Juni 2015 – 2 Ws 194/​15

  1. vgl. Beck­OK-Bücherl, Stand: 15.01.2015, § 51 BZRG, Rn. 28; KG Ber­lin, Beschluss vom 06.03.1998, 1 AR 216/​985 Ws 141/​98, BeckRS 1998, 15153; OLG Cel­le, Beschluss vom 05.08.2011, 1 Ws 282/​11, BeckRS 2011, 21234[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.08.2012, 3 StR 309/​12[]