Beding­ter (Tötungs-)Vorsatz – und die gefähr­li­che Tat­hand­lung

Beding­ten Tötungs­vor­satz hat, wer den Ein­tritt des Todes als mög­li­che Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und bil­li­gend in Kauf nimmt (Wil­lens­ele­ment).

Beding­ter (Tötungs-)Vorsatz – und die gefähr­li­che Tat­hand­lung

Bei­de Ele­men­te müs­sen durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den. Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen 1.

Die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ist dabei ein wesent­li­cher Indi­ka­tor für das Vor­lie­gen bei­der Ele­men­te des beding­ten Tötungs­vor­sat­zes 2.

Hin­sicht­lich des Wil­lens­ele­ments sind neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se regel­mä­ßig auch die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on mit in die erfor­der­li­che umfas­sen­de Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen 3.

Zwar liegt es bei äußerst gefähr­li­chen Gewalt­hand­lun­gen nahe, dass der Täter mit der Mög­lich­keit rech­net, das Opfer kön­ne dabei zu Tode kom­men, und dass er, weil er gleich­wohl sein gefähr­li­ches Han­deln beginnt oder fort­setzt, einen sol­chen Erfolg bil­li­gend in Kauf nimmt 4. Der Schluss von einer beson­ders gefähr­li­chen Gewalt­hand­lung auf einen beding­ten Tötungs­vor­satz ist jedoch nur dann rechts­feh­ler­frei, wenn der Tatrich­ter auch die im Ein­zel­fall in Betracht kom­men­den Umstän­de in sei­ne Erwä­gun­gen ein­be­zo­gen hat, die den Vor­satz in Fra­ge stel­len kön­nen 5.

Lie­gen Anhalts­punk­te dafür vor, dass der Täter die Gefahr des Ein­tritts eines töd­li­chen Erfolgs aus­nahms­wei­se nicht erkannt oder jeden­falls dar­auf ver­traut hat, ein sol­cher Erfolg wer­de nicht ein­tre­ten, ist der Tatrich­ter ver­pflich­tet, sich hier­mit aus­ein­an­der zu set­zen 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Febru­ar 2016 – 2 StR 213/​15

  1. BGH, Urteil vom 16.09.2015 – 2 StR 483/​14, NStZ 2016, 25, 26; BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 702[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.01.2015 – 5 StR 435/​14, NStZ 2015, 216[]
  3. BGH, Urteil vom 11.10.2000 – 3 StR 321/​00, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 51[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.08.2013 – 2 StR 148/​13, NStZ 2014, 35[]
  5. BGH, Urteil vom 26.11.2014 – 2 StR 54/​14, NStZ 2015, 516, 517; Urteil vom 27.08.2013 – 2 StR 148/​13, NStZ 2014, 35[]
  6. BGH, Urteil vom 16.09.2015 – 2 StR 483/​14, NStZ 2016, 25, 26[]