Beding­ter Tötungs­vor­satz

Bedingt vor­sätz­li­ches Han­deln setzt vor­aus, dass der Täter den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt, und dass er ihn bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len mit der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung abfin­det.

Beding­ter Tötungs­vor­satz

Bei­de Ele­men­te der inne­ren Tat­sei­te müs­sen in jedem Ein­zel­fall geson­dert geprüft und durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den 1.

Annah­me oder Ableh­nung beding­ten Tötungs­vor­sat­zes kön­nen nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen 2. Dabei ist die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ein wesent­li­cher Indi­ka­tor 3.

Neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se ist dabei regel­mä­ßig auch die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on mit in die erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen 4.

Auch wenn dem Täter "bewusst" gewe­sen ist, dass man mit einer Bier­fla­sche einen Men­schen töten kön­ne, so belegt dies nur das Wis­sen um die all­ge­mei­ne Gefähr­lich­keit des Ein­sat­zes die­ses Tat­werk­zeugs gegen den Kopf­be­reich eines Men­schen 5. Dar­aus lässt sich indes nicht ohne wei­te­res her­lei­ten, dass der Täter e in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on auch tat­säch­lich mit der Mög­lich­keit rech­ne­te, das Opfer kön­ne durch einen Schlag mit einer Fla­sche auf des­sen Kopf zu Tode kom­men, und er dies in sei­ne Über­le­gun­gen mit ein­be­zog. Es ist durch­aus mög­lich, dass er zwar alle Umstän­de kann­te, ohne sich indes in der kon­kre­ten Situa­ti­on bewusst zu sein, dass sein Vor­ge­hen zum Tode des Opfers füh­ren kön­ne 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Sep­tem­ber 2015 – 2 StR 194/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 18.10.2006 – 2 StR 340/​06, NStZ 2007, 150, 151; BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699, 702; BGH, Beschluss vom 09.06.2015 – 2 StR 504/​14[]
  2. BGH, Urteil vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 26/​99, NJW 1999, 2533, 2534[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 01.06.2007 – 2 StR 133/​07, NStZ-RR 2007, 267, 268; Beschluss vom 09.06.2015 – 2 StR 504/​14[]
  5. vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.07.1994 – 4 StR 348/​94, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 41 mwN[]
  6. vgl. auch BGH, Urteil vom 10.12 1987 – 4 StR 539/​87, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 10; Beschluss vom 19.07.1994 – 4 StR 348/​94, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 41[]