Beding­ter Tötungs­vor­satz

Beding­ter Tötungs­vor­satz ist gege­ben, wenn der Täter den Tod als mög­li­che, nicht ganz fern­lie­gen­de Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und dies bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len zumin­dest mit dem Ein­tritt des Todes abfin­det, mag ihm der Erfolgs­ein­tritt auch gleich­gül­tig oder an sich uner­wünscht sein (Wil­lens­ele­ment).

Beding­ter Tötungs­vor­satz

Bei­de Ele­men­te des beding­ten Vor­sat­zes müs­sen in jedem Ein­zel­fall umfas­send geprüft und gege­be­nen­falls durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den 1.

Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de des Ein­zel­falls erfol­gen 2, in wel­che ins­be­son­de­re die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung, die kon­kre­te Angriffs­wei­se des Täters, sei­ne psy­chi­sche Ver­fas­sung bei der Tat­be­ge­hung und sei­ne Moti­va­ti­ons­la­ge ein­zu­be­zie­hen sind 3.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­ten im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts zum beding­ten Tötungs­vor­satz nicht. Das Schwur­ge­richt hat das vol­un­ta­ti­ve Vor­satz­ele­ment nicht trag­fä­hig begrün­det. Im Rah­men der erfor­der­li­chen Gesamt­be­trach­tung hat es den Umstand nicht in den Blick genom­men, dass der Ange­klag­te wuss­te, dass sich der Zeu­ge P. im Zeit­punkt der Brand­le­gung in der Unter­kunft auf­hält und ande­re Bewoh­ner durch die­sen – eben­so wie durch die vor­han­de­nen Rauch­mel­der – auf den Brand hät­ten auf­merk­sam gemacht wer­den kön­nen. Die­ser Umstand kann eben­so wie die Tat­zeit maß­geb­lich gegen ein bil­li­gen­des Inkauf­neh­men des Ein­tritts des Todes (oder auch einer Kör­per­ver­let­zung) von im Wohn­heim auf­häl­ti­gen Per­so­nen durch den Ange­klag­ten spre­chen. Das Land­ge­richt hät­te zudem wei­ter­ge­hend erör­tern müs­sen, ob der Ange­klag­te gege­be­nen­falls ledig­lich eine Gefähr­dung der in der Unter­kunft befind­li­chen Per­so­nen in Kauf genom­men haben könn­te, mit­hin ledig­lich Gefähr­dungs­vor­satz und kein Schä­di­gungs­vor­satz gege­ben sein könn­te 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Juli 2019 – 1 StR 222/​19

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 01.03.2018 – 4 StR 399/​17 Rn. 18; und vom 16.09.2015 – 2 StR 483/​14 Rn. 14[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 01.03.2018 – 4 StR 399/​17 Rn.19; und vom 22.03.2012 – 4 StR 558/​11, BGHSt 57, 183 Rn. 26[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2013 – 3 StR 45/​13 Rn. 7[]
  4. vgl. zu die­sen unter­schied­li­chen Bezugs­punk­ten des Vor­sat­zes BGH, Urtei­le vom 12.06.2008 – 4 StR 78/​08 Rn. 17, 19; und vom 15.12 1967 – 4 StR 441/​67, BGHSt 22, 67, 73 f.; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 306b Rn. 30; LKStGB/​Wolff, 12. Aufl., § 306b Rn. 17[]