Beding­ter Tötungs­vor­satz – und die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung

Die Annah­me oder die Ableh­nung beding­ten Tötungs­vor­sat­zes kön­nen nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen 1.

Beding­ter Tötungs­vor­satz – und die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung

Dabei ist zwar die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ein wesent­li­cher Indi­ka­tor 2.

Neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se ist aber auch regel­mä­ßig die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on mit in die erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen 3.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall bedeu­te­te dies: Aus dem Wis­sen um die all­ge­mei­ne Gefähr­lich­keit des Ein­sat­zes des vom Ange­klag­ten ver­wen­de­ten Tat­werk­zeugs gegen den Hals­be­reich eines Men­schen 4 lässt sich nicht ohne wei­te­res her­lei­ten, dass der Ange­klag­te in der kon­kre­ten Tat­si­tua­ti­on auch tat­säch­lich mit der Mög­lich­keit rech­ne­te, der Geschä­dig­te kön­ne zu Tode kom­men 5. Inso­weit wird sich der Tatrich­ter ins­be­son­de­re damit aus­ein­an­der­set­zen müs­sen, ob dem Ange­klag­ten im Rah­men der unüber­sicht­li­chen "Mas­sen­schlä­ge­rei", die bei ihm nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen zudem zu einer gewis­sen affek­ti­ven Erre­gung geführt hat, das Bewusst­sein gefehlt hat, dass sei­ne – zumal "spon­ta­ne" – Tat­hand­lung den Tod des Geschä­dig­ten zur Fol­ge haben könn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Febru­ar 2016 – 2 StR 537/​15

  1. BGH, Urteil vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.03.1999 – 1 StR 26/​99, NJW 1999, 2533, 2534[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 01.06.2007 – 2 StR 133/​07, NStZ-RR 2007, 267, 268; Beschluss vom 09.06.2015 – 2 StR 504/​14, NStZ-RR 2016, 111, 112 mwN[]
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 19.07.1994 – 4 StR 348/​94, BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 41 mwN[]
  5. vgl. auch BGH, Beschluss vom 07.09.2015 – 2 StR 194/​15 mwN[]