Beding­ter Tötungs­vor­satz – und sei­ne Fest­stel­lung

Beding­ten Tötungs­vor­satz hat, wer den Ein­tritt des Todes als mög­li­che Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und bil­li­gend in Kauf nimmt (Wil­lens­ele­ment).

Beding­ter Tötungs­vor­satz – und sei­ne Fest­stel­lung

Bei­de Ele­men­te müs­sen durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den. Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de erfol­gen 1. Dabei ist die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung ein wesent­li­cher Indi­ka­tor 2.

Bei der Wür­di­gung des Wil­lens­ele­ments sind neben der kon­kre­ten Angriffs­wei­se regel­mä­ßig auch die Per­sön­lich­keit des Täters, sein psy­chi­scher Zustand zum Tat­zeit­punkt und sei­ne Moti­va­ti­on mit in die Betrach­tung ein­zu­be­zie­hen 3.

Es kann bei äußerst gefähr­li­chen Gewalt­hand­lun­gen zwar nahe lie­gen, dass der Täter damit rech­net, dass sein Opfer zu Tode kom­men könn­te, und er dies bil­li­gend in Kauf nimmt, wenn er gleich­wohl sein gefähr­li­ches Han­deln beginnt oder fort­setzt. Aber immer ist auch die Mög­lich­keit in Betracht zu zie­hen, dass der Täter die Gefahr der Tötung nicht erkannt oder jeden­falls dar­auf ver­traut hat, ein sol­cher Erfolg wer­de nicht ein­tre­ten. Lie­gen Umstän­de vor, die auf die­se Mög­lich­keit hin­wei­sen, muss sich der Tatrich­ter damit aus­ein­an­der set­zen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2015 – 2 StR 483/​14

  1. vgl. BGH NStZ 2011, 699
  2. vgl. BGH NStZ 2012, 443, 444
  3. BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 51; BGH NStZ-RR 2007, 267, 268; NStZ-RR 2009, 372
  4. vgl. BGHR StGB § 212 Abs. 1 Vor­satz beding­ter 41 m.w.N.