Beding­ter Vor­satz oder bewuss­te Fahr­läs­sig­keit?

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Abgren­zung von beding­tem Vor­satz und bewuss­ter Fahr­läs­sig­keit han­delt der Täter vor­sätz­lich, wenn er den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt und damit in der Wei­se ein­ver­stan­den ist, dass er die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung bil­li­gend in Kauf nimmt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len wenigs­tens mit ihr abfin­det, mag ihm auch der Erfolgs­ein­tritt an sich uner­wünscht sein.

Beding­ter Vor­satz oder bewuss­te Fahr­läs­sig­keit?

Bewuss­te Fahr­läs­sig­keit liegt hin­ge­gen dann vor, wenn der Täter mit der als mög­lich erkann­ten Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung nicht ein­ver­stan­den ist und ernst­haft – nicht nur vage – dar­auf ver­traut, der tat­be­stand­li­che Erfolg wer­de nicht ein­tre­ten [1].

Ver­traut der Täter dar­auf, die für mög­lich gehal­te­ne Fol­ge wer­de nicht ein­tre­ten, so kommt es auf die Umstän­de des Ein­zel­fal­les an, ob er das ernst­haft konn­te.

Da bei­de Schuld­for­men im Grenz­be­reich eng bei­ein­an­der lie­gen, ist bei der Prü­fung, ob der Täter vor­sätz­lich gehan­delt hat, eine Gesamt­schau aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Tat­um­stän­de gebo­ten [2]; sowohl das Wis­sens- als auch das Wil­lens­ele­ment muss grund­sätz­lich in jedem Ein­zel­fall geprüft und durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – 4 StR 124/​14

  1. u.a. BGH, Urtei­le vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699; und vom 04.11.1988 – 1 StR 262/​88, BGHSt 36, 1, 9 f.[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 27.01.2011 – 4 StR 502/​10, NStZ 2011, 699 mwN[]