Beding­ter Vor­satz – und die erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung

Bedingt vor­sätz­li­ches Han­deln setzt vor­aus, dass der Täter den Ein­tritt des tat­be­stand­li­chen Erfol­ges als mög­lich und nicht ganz fern­lie­gend erkennt, fer­ner, dass er ihn bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len mit der Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung zumin­dest abfin­det.

Beding­ter Vor­satz – und die erfor­der­li­che Gesamt­be­trach­tung

Vor der Annah­me beding­ten Vor­sat­zes müs­sen bei­de Ele­men­te der inne­ren Tat­sei­te, also sowohl das Wis­sens- als auch das Wol­lens­ele­ment geprüft und durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den1.

Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de des Ein­zel­fal­les erfol­gen, in wel­chem ins­be­son­de­re die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung, die kon­kre­te Angriffs­wei­se des Täters, sei­ne psy­chi­sche Ver­fas­sung bei der Tat­be­ge­hung und sei­ne Moti­va­ti­ons­la­ge ein­zu­be­zie­hen ist2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Dezem­ber 2015 – 1 StR 457/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.06.2009 – 1 StR 191/​09, NStZ 2009, 629 mwN
  2. BGH, Urteil vom 05.06.2014 – 4 StR 439/​13