Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Tötungs­ver­such?

Die Abgren­zung zwi­schen unbe­en­de­tem und been­de­tem Ver­such bestimmt sich nach dem Vor­stel­lungs­bild des Täters nach dem Abschluss der letz­ten von ihm vor­ge­nom­me­nen Aus­füh­rungs­hand­lung, dem soge­nann­ten Rück­tritts­ho­ri­zont.

Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Tötungs­ver­such?

Bei einem Tötungs­de­likt liegt dem­ge­mäß ein unbe­en­de­ter Ver­such vor, bei dem allein der Abbruch der begon­ne­nen Tat­hand­lung zum straf­be­frei­en­den Rück­tritt vom Ver­such führt, wenn der Täter zu die­sem Zeit­punkt noch nicht alles getan hat, was nach sei­ner Vor­stel­lung zur Her­bei­füh­rung des Todes erfor­der­lich oder zumin­dest aus­rei­chend ist.

Ein been­de­ter Tötungs­ver­such, bei dem der Täter für einen straf­be­frei­en­den Rück­tritt vom Ver­such den Tod des Opfers durch eige­ne Ret­tungs­be­mü­hun­gen ver­hin­dern oder sich dar­um zumin­dest frei­wil­lig und ernst­haft bemü­hen muss, ist hin­ge­gen anzu­neh­men, wenn er den Ein­tritt des Todes bereits für mög­lich hält oder sich kei­ne Vor­stel­lun­gen über die Fol­gen sei­nes Tuns macht.

Eine Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts ist in engen Gren­zen mög­lich.

Der Ver­such eines Tötungs­de­likts ist daher nicht been­det, wenn der Täter zunächst irr­tüm­lich den Ein­tritt des Todes für mög­lich hält, aber nach als­bal­di­ger Erkennt­nis sei­nes Irr­tums von wei­te­ren Aus­füh­rungs­hand­lun­gen Abstand nimmt.

Rech­net der Täter dage­gen zunächst nicht mit einem töd­li­chen Aus­gang, so liegt eine umge­kehr­te Kor­rek­tur des Rück­tritts­ho­ri­zonts vor, wenn er unmit­tel­bar dar­auf erkennt, dass er sich inso­weit geirrt hat. In die­sem Fall ist ein been­de­ter Ver­such gege­ben, wenn sich die Vor­stel­lung des Täters bei fort­be­stehen­der Hand­lungs­mög­lich­keit sogleich nach der letz­ten Tat­hand­lung in engs­tem räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit die­ser ändert.

Fehl­ge­schla­gen ist ein Ver­such, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält.

Fehl­ge­schla­gen ist ein Ver­such, wenn die Tat nach Miss­lin­gen des zunächst vor­ge­stell­ten Tat­ab­laufs mit den bereits ein­ge­setz­ten oder ande­ren nahe­lie­gen­den Mit­teln objek­tiv nicht mehr voll­endet wer­den kann und der Täter dies erkennt oder wenn er sub­jek­tiv die Voll­endung nicht mehr für mög­lich hält.

Liegt ein Fehl­schlag vor, schei­det ein Rück­tritt vom Ver­such nach allen Vari­an­ten des § 24 Abs. 1 oder Abs. 2 StGB aus; umge­kehrt kommt es nur dann, wenn ein Fehl­schlag nicht gege­ben ist, auf die Unter­schei­dung zwi­schen unbe­en­de­tem und been­de­tem Ver­such an, die für die vom Täter zu erbrin­gen­de Rück­tritts­leis­tung in Fäl­len des § 24 Abs. 1 StGB stets, in sol­chen des § 24 Abs. 2 StGB mit­tel­bar dann von Bedeu­tung ist, wenn sich die (gemein­sa­me) Ver­hin­de­rungs­leis­tung von Ver­suchs­be­tei­lig­ten in einem ein­ver­ständ­li­chen Unter­las­sen des Wei­ter­han­delns erschöp­fen kann.

Allen Fäl­len ist gemein­sam, dass es auf das Vor­stel­lungs­bild des Täters im ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Zeit­punkt ankommt. Lässt sich den Urteils­fest­stel­lun­gen das ent­spre­chen­de Vor­stel­lungs­bild des Ange­klag­ten, das zur revi­si­ons­recht­li­chen Prü­fung des Vor­lie­gens eines frei­wil­li­gen Rück­tritts vom Ver­such uner­läss­lich ist, nicht hin­rei­chend ent­neh­men, hält das Urteil sach­lich­recht­li­cher Nach­prü­fung nicht stand 1.

Hat ein Täter aber nach der mit Tötungs­vor­satz began­ge­nen Hand­lung erkannt, dass er noch nicht alles getan hat, was nach sei­ner Vor­stel­lung zur Her­bei­füh­rung des Todes erfor­der­lich oder zumin­dest aus­rei­chend ist, so liegt ein unbe­en­de­ter Ver­such des Tötungs­de­likts auch dann vor, wenn sein anschlie­ßen­des Han­deln bei unver­än­der­tem Vor­stel­lungs­bild nicht mehr auf den Todes­er­folg gerich­tet ist, obwohl ihm ein hier­auf gerich­te­tes Han­deln – wie von ihm erkannt – mög­lich gewe­sen wäre 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Novem­ber 2016 – 4 StR 471/​16

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urtei­le vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273 f.; vom 13.08.2015 – 4 StR 99/​15, Stra­Fo 2015, 470 jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2003 – 4 StR 25/​03 mwN[]