Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Ver­such – und der Rück­tritts­ho­ri­zont

Ein Ver­such ist fehl­ge­schla­gen, wenn der Täter nach der letz­ten von ihm vor­ge­nom­me­nen Tat­hand­lung erkennt, dass mit den bereits ein­ge­setz­ten oder den ihm sonst zur Hand lie­gen­den Mit­teln der erstreb­te Tat­er­folg nicht mehr her­bei­ge­führt wer­den kann, ohne dass er eine neue Hand­lungs- und Kau­sal­ket­te in Gang setzt [1].

Been­de­ter oder unbe­en­de­ter Ver­such – und der Rück­tritts­ho­ri­zont

Die sub­jek­ti­ve Sicht des Täters ist auch dann maß­geb­lich, wenn der Ver­such zwar objek­tiv fehl­ge­schla­gen ist, der Täter dies aber nicht erkennt; zumin­dest soll ein frei­wil­li­ger Ver­zicht auf wei­te­re Tat­hand­lun­gen zur Straf­frei­heit nach § 24 Abs. 1 Satz 2 StGB füh­ren [2].

Auch für die Fra­ge, ob ein Ver­such unbe­en­det oder been­det ist, kommt es maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Vor­stel­lung der Täter nach sei­ner letz­ten Aus­füh­rungs­hand­lung von der Tat hat (sog. Rück­tritts­ho­ri­zont) [3].

Danach liegt ein unbe­en­de­ter Ver­such vor, wenn der Täter nach sei­ner Vor­stel­lung noch nicht alles getan hat, was zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung erfor­der­lich ist; in die­sem Fall kann er allein durch das frei­wil­li­ge Unter­las­sen wei­te­rer auf den Tat­er­folg abzie­len­der Hand­lun­gen straf­be­frei­end vom Ver­such zurück­tre­ten (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 StGB). Hält er dage­gen den Ein­tritt des Tat­er­folgs für mög­lich, so ist der Ver­such been­det; der straf­be­frei­en­de Rück­tritt setzt dann vor­aus, dass der Täter den Tat­er­folg frei­wil­lig durch akti­ves Tun ver­hin­dert (§ 24 Abs. 1 Satz 1 Alt. 2 StGB) oder zumin­dest ent­spre­chen­de ernst­haf­te Bemü­hun­gen ent­fal­tet, wenn der Erfolg ohne sein Zutun aus­bleibt (§ 24 Abs. 1 Satz 2 StGB; s. BGH, Beschluss vom 19.05.1993 – GSSt 1/​93, BGHSt 39, 221, 227 mwN).

Lässt sich den Urteils­fest­stel­lun­gen die ent­spre­chen­de Vor­stel­lung des Täters von sei­ner Tat nicht ent­neh­men, so hält das Urteil regel­mä­ßig sach­lich­recht­li­cher Prü­fung nicht stand, weil es die revi­si­ons­recht­li­che Prü­fung eines frei­wil­li­gen Rück­tritts vom Ver­such nicht ermög­licht [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Novem­ber 2014 – 3 StR 458/​14

  1. s. etwa nur BGH, Urtei­le vom 30.11.1995 – 5 StR 465/​95, BGHSt 41, 368, 369; vom 19.05.2010 – 2 StR 278/​09, NStZ 2010, 690, 691 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 24.11.2004 – 5 StR 239/​04, NStZ-RR 2005, 70, 71[]
  3. s. nur BGH, Urteil vom 19.03.2013 – 1 StR 647/​12, NStZ-RR 2013, 273, 274 mwN[]
  4. s. etwa BGH, Urteil vom 12.06.2014 – 3 StR 154/​14, NStZ 2014, 507, 509 mwN[]