Befan­gen­heits­an­trag – nach dem letz­ten Wort des Angeklagten

Befan­gen­heits­ge­su­che nach dem letz­ten Wort des Ange­klag­ten sind abso­lut aus­ge­schlos­sen und damit unzu­läs­sig (§ 25 Abs. 2 Satz 2 StPO)1.

Befan­gen­heits­an­trag – nach dem letz­ten Wort des Angeklagten

Soweit in der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ver­ein­zelt erwo­gen wor­den ist, ob es in Fäl­len einer deut­lich zu Tage getre­te­nen Vor­ein­ge­nom­men­heit mög­lich sei, von die­sem Grund­satz durch eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der Vor­schrift abzu­wei­chen, wenn Ableh­nungs­grün­de erst nach dem letz­ten Wort ent­stan­den oder bekannt gewor­den sei­en und anders „uner­träg­li­che Ergeb­nis­se“ nicht ver­mie­den wer­den könn­ten2, lie­gen – unge­ach­tet der Fra­ge ob eine sol­che ein­schrän­ken­de Aus­le­gung ange­sichts des ein­deu­ti­gen ent­ge­gen­ste­hen­den Wort­lauts von § 25 Abs. 2 Satz 2 StPO über­haupt in Betracht kom­men kann – die in der zitier­ten Ent­schei­dung skiz­zier­ten Vor­aus­set­zun­gen im hier ent­schie­de­nen Fall nicht ansatz­wei­se vor: Die Beschwer­de­füh­rer begrün­den ihre Ableh­nung im Kern mit der von der Straf­kam­mer im Urteil vor­ge­nom­me­nen Beweis­wür­di­gung. Die­se kann den­knot­wen­dig kei­ne „Vor­ein­ge­nom­men­heit“ der an der Urteils­fin­dung betei­lig­ten Rich­ter zum Aus­druck brin­gen, ist es doch gera­de die Auf­ga­be des Tat­ge­richts, über das Ergeb­nis der Beweis­auf­nah­me nach sei­ner frei­en, aus dem Inbe­griff der Haupt­ver­hand­lung geschöpf­ten – und folg­lich zwin­gend spä­tes­tens in der Urteils­be­ra­tung zu bil­den­den – Über­zeu­gung zu ent­schei­den (§ 261 StPO). Der Ort für die Dar­le­gung die­ser Über­zeu­gungs­bil­dung ist das Urteil (§ 267 Abs. 1 StPO), der Zeit­punkt dafür ist der­je­ni­ge der Urteils­ver­kün­dung (§ 268 Abs. 2 StPO). Das Land­ge­richt hat mit­hin sei­ne ihm von der Straf­pro­zess­ord­nung auf­ge­ge­be­ne Ver­pflich­tung erfüllt, indem es die Bewei­se im Urteil gewür­digt hat, ohne dass – auch nach deren Vor­brin­gen – etwa unnö­ti­ge oder sach­lich unzu­tref­fen­de Wert­ur­tei­le über die Beschwer­de­füh­rer in der Begrün­dung ent­hal­ten gewe­sen wären3. Anhalts­punk­te, die die Besorg­nis der Befan­gen­heit begrün­den könn­ten, sind des­halb unter kei­nem denk­ba­ren recht­li­chen Gesichts­punkt ersicht­lich. Dass die Ange­klag­ten sich ein ande­res Ergeb­nis gewünscht haben mögen bzw. die Bewei­se anders gewür­digt hät­ten, ändert dar­an nichts.

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non liquet beim Befangenheitsantrag

Aus den genann­ten Grün­den wäre das Befan­gen­heits­ge­such im Übri­gen auch nach § 26a Abs. 1 Nr. 2 StPO unzu­läs­sig, weil die Begrün­dung – auch ein­ge­denk des dabei anzu­wen­den­den stren­gen Maß­stabs – aus zwin­gen­den recht­li­chen Grün­den völ­lig unge­eig­net ist, was dem voll­stän­di­gen Feh­len einer Begrün­dung gleich­steht4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Mai 2021 – 5 StR 482/​20

  1. vgl. KK-StPO/­Scheu­ten, 8. Aufl., § 25 Rn. 11 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 07.09.2006 – 3 StR 277/​06, bei Cier­ni­ak, NStZ-RR 2009, 1, 2[]
  3. vgl. dazu Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 64. Aufl., § 24 Rn. 13a mwN[]
  4. vgl. Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 64. Aufl., § 26a Rn. 4a mwN[]