Begrün­dung eines Durch­su­chungs­be­schlus­ses

Art. 13 Abs. 1 GG garan­tiert die Unver­letz­lich­keit der Woh­nung. Sinn der Garan­tie ist die Abschir­mung der Pri­vat­sphä­re in räum­li­cher Hin­sicht. In sei­nen Wohn­räu­men hat der Ein­zel­ne das Recht, in Ruhe gelas­sen zu wer­den 1. In die­se grund­recht­lich geschütz­te Lebens­sphä­re greift eine Durch­su­chung schwer­wie­gend ein 2.

Begrün­dung eines Durch­su­chungs­be­schlus­ses

Das Gewicht des Ein­griffs ver­langt als Durch­su­chungs­vor­aus­set­zung Ver­dachts­grün­de, die über vage Anhalts­punk­te und blo­ße Ver­mu­tun­gen hin­aus­rei­chen. Ein Ver­stoß gegen die­se Anfor­de­run­gen liegt vor, wenn sich sach­lich zurei­chen­de plau­si­ble Grün­de für eine Durch­su­chung nicht mehr fin­den las­sen 3. Es ist zu ver­lan­gen, dass ein dem Beschul­dig­ten ange­las­te­tes Ver­hal­ten geschil­dert wird, das den Tat­be­stand eines Straf­ge­set­zes erfüllt. Die wesent­li­chen Merk­ma­le des gesetz­li­chen Tat­be­stan­des, die die Straf­bar­keit des zu sub­su­mie­ren­den Ver­hal­tens kenn­zeich­nen, müs­sen berück­sich­tigt wer­den 4.

Die Durch­su­chung bedarf vor allem einer Recht­fer­ti­gung nach dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit. Sie muss im Blick auf den bei der Anord­nung ver­folg­ten gesetz­li­chen Zweck erfolg­ver­spre­chend sein. Fer­ner muss gera­de die­se Zwangs­maß­nah­me zur Ermitt­lung und Ver­fol­gung der vor­ge­wor­fe­nen Tat erfor­der­lich sein; das ist nicht der Fall, wenn ande­re, weni­ger ein­schnei­den­de Mit­tel zur Ver­fü­gung ste­hen. Schließ­lich muss der jewei­li­ge Ein­griff in ange­mes­se­nem Ver­hält­nis zu der Schwe­re der Tat und der Stär­ke des Tat­ver­dachts ste­hen 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Okto­ber 2011 – 2 BvR 1774/​10

  1. vgl. BVerfGE 51, 97, 107[]
  2. vgl. BVerfGE 96, 27, 40>; 103, 142, 150 f.[]
  3. vgl. BVerfGE 44, 353, 371 f.; 59, 95, 97[]
  4. vgl. BVerfG, Beschlüs­se vom 07.09.2006 – 2 BvR 1219/​05, NJW 2007, 1443; und vom 05.05.2008 – 2 BvR 1801/​06, NJW 2008, 2422, 2423[]
  5. vgl. BVerfGE 96, 44, 51[]