Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Straf­zu­mes­sung

In Fäl­len der Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung ist für die Straf­rah­men­wahl nicht ent­schei­dend, ob sich die Tat des Haupt­tä­ters, zu der Bei­hil­fe geleis­tet wird, als beson­ders schwe­rer Fall erweist; zu prü­fen ist viel­mehr, ob sich die Bei­hil­fe selbst – bei Berück­sich­ti­gung des Gewichts der Haupt­tat – als beson­ders schwe­rer Fall dar­stellt 1.

Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die Straf­zu­mes­sung

Dies gilt nicht nur in Fäl­len unbe­nann­ter beson­ders schwe­rer Fäl­le, son­dern auch dann, wenn im Wege einer Gesamt­wür­di­gung zu klä­ren ist, ob die Indi­zwir­kung eines oder meh­re­rer Regel­bei­spie­le für beson­ders schwe­re Fäl­le wider­legt ist 2.

Dabei kann bei Unter­las­sungs­ta­ten der Umstand, dass eine man­gels eige­ner Erklä­rungs­pflicht nur als Gehil­fe straf­ba­re Per­son Tat­herr­schaft hat­te, erheb­lich straf­schär­fend zu wer­ten sein 3.

In Abhän­gig­keit von den Umstän­den des Ein­zel­falls kann der Schuld­ge­halt (§ 29 StGB) der Bei­hilfetat sogar grö­ßer sein als der der Haupt­tat und trotz Straf­rah­men­ver­schie­bung gemäß § 27 Abs. 2 Satz 2, § 49 Abs. 1 StGB eine Stra­fe recht­fer­ti­gen, die der­je­ni­gen für den Haupt­tä­ter gleich­kommt oder sie sogar über­steigt 4.

Dabei kann auch der Umstand straf­mil­dernd her­an­ge­zo­gen wer­den, dass gegen den Gehil­fen wegen der Bei­hilfe­ta­ten ein Haf­tungs­be­scheid Euro ergan­gen ist.

Zwar kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die straf­mil­dern­de Berück­sich­ti­gung einer Her­an­zie­hung gemäß § 71 AO nur dann in Betracht, wenn der Betrof­fe­ne nach den Umstän­den des Ein­zel­falls tat­säch­lich mit sei­ner Her­an­zie­hung rech­nen muss und die­se für ihn eine beson­de­re Här­te dar­stel­len wür­de 5. Das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zun­gen hat das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall aber rechts­feh­ler­frei fest­ge­stellt. Es hat dabei nicht ver­kannt, dass die Haf­tungs­sum­me die finan­zi­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit des Ange­klag­ten bei wei­tem über­steigt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Staats­an­walt­schaft ist daher nicht zu besor­gen, das Land­ge­richt könn­te bei der Straf­zu­mes­sung ver­kannt haben, dass die wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­se des Ange­klag­ten einen Aus­gleich des Steu­er­scha­dens nicht zulas­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. April 2017 – 1 StR 606/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 06.09.2016 – 1 StR 575/​15, NZWiSt 2016, 474 mwN und Beschluss vom 23.11.2000 – 3 StR 225/​00, wis­tra 2001, 105[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.01.2015 – 1 StR 142/​14, Rn. 6, wis­tra 2015, 235[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.04.2013 – 1 StR 586/​12, Rn. 65, BGHSt 58, 218, 231[]
  4. vgl. Schü­ne­mann in LK-StGB, 12. Aufl., § 27 Rn. 77 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 25.09.2012 – 1 StR 407/​12, BGHR AO § 370 Abs. 1 Straf­zu­mes­sung 25[]