Beschaf­fungs­ta­ten – und der für die Ent­zie­hungs­an­stalt erfor­der­li­che Hang

Für einen Hang gemäß § 64 StGB aus­rei­chend ist eine ein­ge­wur­zel­te, auf psy­chi­sche Dis­po­si­ti­on zurück­ge­hen­de oder durch Übung erwor­be­ne Nei­gung, immer wie­der Rausch­mit­tel zu kon­su­mie­ren, wobei die­se Nei­gung noch nicht den Grad einer psy­chi­schen Abhän­gig­keit erreicht haben muss.

Beschaf­fungs­ta­ten – und der für die Ent­zie­hungs­an­stalt erfor­der­li­che Hang

Ein über­mä­ßi­ger Kon­sum von Rausch­mit­teln ist jeden­falls dann gege­ben, wenn der Betrof­fe­ne auf­grund sei­ner Nei­gung sozi­al gefähr­det oder gefähr­lich erscheint1.

Letz­te­res ist der Fall bei der Bege­hung von zur Befrie­di­gung des eige­nen Dro­gen­kon­sums die­nen­der Beschaf­fungs­ta­ten2.

Dem Umstand, dass durch den Rausch­mit­tel­kon­sum die Gesund­heit sowie die Arbeits- und Leis­tungs­fä­hig­keit des Betrof­fe­nen beein­träch­tigt sind, kommt nur indi­zi­el­le Bedeu­tung zu. Das Feh­len sol­cher Beein­träch­ti­gun­gen schließt die Beja­hung eines Hangs nicht aus3.

Eben­so wenig ist für einen Hang erfor­der­lich, dass beim Täter bereits eine Per­sön­lich­keits­de­pra­va­ti­on ein­ge­tre­ten ist4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Okto­ber 2016 – 4 StR 408/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15, NStZ-RR 2016, 113; vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12, RuP 2013, 34 f.
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 02.04.2015 – 3 StR 103/​15 Rn. 5; Urteil vom 10.11.2004 – 2 StR 329/​04, NStZ 2005, 210
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 aaO; vom 21.08.2012 – 4 StR 311/​12 aaO; vom 12.04.2012 – 5 StR 87/​12, NStZ-RR 2012, 271; vom 01.04.2008 – 4 StR 56/​08, NStZ-RR 2008, 198 f.
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2015 – 1 StR 482/​15 aaO; vom 06.09.2007 – 4 StR 318/​07, NStZ-RR 2008, 8