Beschrän­kung der Beru­fung auf den Straf­aus­spruch – und die Fra­ge der gewerbs­mä­ßi­gen Begehung

Tat­sa­chen, die sich auf die gewerbs­mä­ßi­ge Bege­hung als Regel­bei­spiel i. S. d. § 263 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 Var. 1 StGB bezie­hen, betref­fen allein den Straf­aus­spruch; ist der Schuld­spruch infol­ge einer wirk­sa­men Beschrän­kung in Rechts­kraft erwach­sen, muss das Beru­fungs­ge­richt zur Gewerbs­mä­ßig­keit den­noch Fest­stel­lun­gen treffen.

Beschrän­kung der Beru­fung auf den Straf­aus­spruch – und die Fra­ge der gewerbs­mä­ßi­gen Begehung

Der Straf­aus­spruch des Beru­fungs­ge­richts weist daher einen durch­grei­fen­den Feh­ler auf, wenn die Kam­mer in der Annah­me einer Bin­dungs­wir­kung des erst­in­stanz­li­chen Urteils kei­ne eige­nen Fest­stel­lun­gen zu den Vor­aus­set­zun­gen gewerbs­mä­ßi­gen Han­delns getrof­fen hat. Sol­che Fest­stel­lun­gen wären not­wen­dig gewe­sen, weil die von der Kam­mer zitier­ten Aus­füh­run­gen des Amts­ge­richts inso­weit nicht in Teil­rechts­kraft erwach­sen sind.

Die Gewerbs­mä­ßig­keit des Han­delns betrifft, soweit sie – wie hier (§ 263 Abs. 3 S. 2 Nr. 1 StGB) – Bestand­teil einer Straf­zu­mes­sungs­re­gel ist, allein den Rechts­fol­gen­aus­spruch. Das Merk­mal hat kei­ne Dop­pel­re­le­vanz, son­dern kann viel­mehr los­ge­löst vom Schuld­spruch beur­teilt wer­den1. Die gewerbs­mä­ßi­ge Vor­ge­hens­wei­se wird durch ein zusätz­li­ches sub­jek­ti­ves Ele­ment außer­halb des Tat­be­stan­des des § 263 Abs. 1 StGB, näm­lich die Absicht der Ver­schaf­fung einer dau­er­haf­ten Ein­nah­me­quel­le durch wie­der­hol­te Tat­be­ge­hung, begrün­det2. Dem­entspre­chend sind bei einer auf den Straf­aus­spruch beschränk­ten Beru­fung zur Fra­ge der Gewerbs­mä­ßig­keit eige­ne Fest­stel­lun­gen zu tref­fen3. Dar­an fehlt es. Aus­weis­lich des ange­foch­te­nen Urteils ist die Beru­fungs­kam­mer viel­mehr davon aus­ge­gan­gen, dass infol­ge der Beru­fungs­be­schrän­kung auch die Fest­stel­lung bin­dend gewor­den sei, dass der Ange­klag­te bei allen 64 Taten in der Absicht han­del­te, sich aus der wie­der­hol­ten Bege­hung von Betrug­s­ta­ten eine nicht nur vor­über­ge­hen­de Ein­nah­me­quel­le von eini­gem Umfang und eini­ger Dau­er zu verschaffen.

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Die erforderliche Terminierungsdichte in Haftsachen

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 4. Mai 2021 – 1 Ss 2/​21

  1. BGH, Beschluss vom 20.06.2017, 1 StR 458/​16 15 ff. zu § 95 Abs. 3 S. 2 Nr. 2 AMG[]
  2. OLG Köln, Beschluss vom 23.05.2003, Ss 202/​03 – 108 12; OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 06.11.2019, Rv 21 Ss 784/​19 7; OLG Bam­berg, Beschluss vom 06.03.2018, 3 OLG 130 Ss 19/​18 3; OLG Saar­brü­cken, Urteil vom 16.07.2018, Ss 44/​201820 f.[]
  3. KG Ber­lin, Beschluss vom 09.04.2020, (5) 121 Ss 1/​20 22 ff.[]

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