Beschrän­kung der Beru­fung auf den Straf­aus­spruch – und die Tatzeit

Fest­stel­lun­gen zur Tat­zeit bezie­hen sich auf den Schuld­spruch; dem Beru­fungs­ge­richt ist die Ände­rung der Tat­zeit daher nicht gestat­tet, wenn das Rechts­mit­tel wirk­sam auf den Straf­aus­spruch beschränkt wurde.

Beschrän­kung der Beru­fung auf den Straf­aus­spruch – und die Tatzeit

Dem Beru­fungs­ge­richt ist ansons­ten ein Rechts­feh­ler unter­lau­fen, der zur Auf­he­bung der ent­spre­chen­den Fest­stel­lung zwingt, weil sie in Bezug auf die Tat eine Fest­stel­lung zur Tat­zeit getrof­fen hat, die den bereits rechts­kräf­ti­gen Schuld­spruch und nicht den nach der Beschrän­kung allein noch zu über­prü­fen­den Straf­aus­spruch betraf. Die Tat­zeit ist eine den Schuld­spruch betref­fen­de Min­dest­fest­stel­lung1, so dass die Beru­fung inso­weit wirk­sam beschränkt und kein Raum für die Ergän­zung war.

Die Beschrän­kung der Beru­fung auf bestimm­te Beschwer­de­punk­te ist gemäß § 318 S. 1 StPO nach der Trenn­bar­keits­for­mel wirk­sam, wenn sie dem Rechts­mit­tel­ge­richt die Mög­lich­keit eröff­net, den ange­foch­te­nen Teil des Urteils los­ge­löst vom nicht ange­grif­fe­nen Teil der Ent­schei­dung nach dem inne­ren Zusam­men­hang recht­lich und tat­säch­lich zu beur­tei­len, ohne die Prü­fung des übri­gen Urteils­in­halts not­wen­dig zu machen. Die den Rechts­mit­tel­be­rech­tig­ten in § 318 StPO ein­ge­räum­te „Macht zum unmit­tel­ba­ren Ein­griff in die Gestal­tung des Rechts­mit­tels“ gebie­tet es, den in Erklä­run­gen zum Aus­druck gekom­me­nen Gestal­tungs­wil­len im Rah­men des recht­lich Mög­li­chen zu respek­tie­ren2. Das Rechts­mit­tel­ge­richt darf die­je­ni­gen Ent­schei­dungs­tei­le daher nicht nach­prü­fen, deren Nach­prü­fung von kei­ner Sei­te begehrt wird, wenn und soweit der ange­grif­fe­ne Ent­schei­dungs­teil trenn­bar ist, also los­ge­löst vom übri­gen Urteils­ge- halt selb­stän­dig geprüft und beur­teilt wer­den kann3. Dem­entspre­chend ist der Beschränk­bar­keit des Rechts­mit­tels auf den Straf­aus­spruch ihre Wirk­sam­keit nur dann abzu­spre­chen, wenn die dem Schuld­spruch im ange­foch­te­nen Urteil zugrun­de­lie­gen­den Fest­stel­lun­gen tat­säch­li­cher und recht­li­cher Art unklar, lücken­haft, wider­sprüch­lich oder so dürf­tig sind, dass sich Art und Umfang der Schuld nicht in dem zur Über­prü­fung des Straf­aus­spruchs not­wen­di­gen Maße bestim­men las­sen oder unklar bleibt, ob sich der Ange­klag­te über­haupt straf­bar gemacht hat4. Allein die etwa feh­ler­haf­te Tat­zeit lässt die Rechts­mit­tel­be­schrän­kung dem­ge­gen­über nicht unwirk­sam wer­den. Denn auch auf der Grund­la­ge der vom Amts­ge­richt im erst­in­stanz­li­chen Urteil ange­nom­me­nen Tat­zeit las­sen sich Art und Umfang der Schuld in dem zur Über­prü­fung des Straf­aus­spruchs not­wen­di­gen Maße bestim­men. Der durch das Land­ge­richt vor­ge­nom­me­nen Kor­rek­tur des Schuld­spruchs stand dem­nach die in Bezug auf den Schuld­spruch ein­ge­tre­te­ne Teil­rechts­kraft entgegen.

Etwas anders ergibt sich auch nicht aus dem Umstand, dass Schreib­feh­ler und ande­re offen­ba­re Unrich­tig­kei­ten in Straf­ur­tei­len berich­tigt wer­den kön­nen5. Denn bei der Berich­ti­gung eines Urteils muss stets aus­ge­schlos­sen sein, dass anstel­le einer blo­ßen Feh­ler­kor­rek­tur eine inhalt­li­che Ände­rung vor­ge­nom­men wird6. Hier han­delt es sich auf der Grund­la­ge der im Revi­si­ons­ver­fah­ren auf die Sach­rü­ge zu über­prü­fen­den Urteils­ur­kun­de und eben­so auf der Basis der Ankla­ge­schrift vom 04.08.2019, aus der sich eben­falls der 16.04.2018 als Tat­zeit ergibt und die das Ober­lan­des­ge­richt zur Prü­fung eines etwai­gen Pro­zess­hin­der­nis­ses von Amts wegen zur Kennt­nis zu neh­men hat7, nicht um eine sol­che offen­ba­re Unrichtigkeit.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 4. Mai 2021 – 1 Ss 2/​21

  1. OLG Bam­berg, Beschluss vom 20.12.2012, 3 Ss 136/​12 Ls. 3[]
  2. BGH, Beschluss vom 27.04.2017, 4 StR 547/​16 17 m.w.N; Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 08.07.2019, (1) 53 Ss 22/​19 16[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.04.2017, 4 StR 547/​1619 m.w.N.; Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, a.a.O., m.w.N.[]
  4. BGH, Beschluss vom 27.04.2017, 4 StR 547/​1620 m.w.N.[]
  5. BGH, Beschluss vom 17.03.2000, 2 StR 430/​99 4[]
  6. BVerfG, Beschluss vom 10.09.2010, 2 BvR 2242/​09 21[]
  7. OLG Hamm, Beschluss vom 02.06.2008, 2 Ss 190/​08 11[]

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