Beschrän­kung des Rechts­mit­tels auf die Straf­zu­mes­sung

Ob der Rechts­mit­tel­füh­rer nur die Straf­zu­mes­sung angrei­fen will, ist eine Fra­ge, die im Zwei­fels­fall im Wege der Aus­le­gung sei­ner Rechts­mit­tel­er­klä­run­gen zu beant­wor­ten ist [1].

Beschrän­kung des Rechts­mit­tels auf die Straf­zu­mes­sung

Dabei kann die Aus­le­gung der Revi­si­ons­be­grün­dung auch bei einem unbe­schränk­ten Revi­si­ons­an­trag ein­deu­tig zu dem Ergeb­nis füh­ren, dass sich der Beschwer­de­füh­rer – im Wider­spruch zu sei­nem Antrag – ledig­lich gegen den Straf­aus­spruch wen­det.

Dies gilt auch dann, wenn es sich bei dem Beschwer­de­füh­rer um die Staats­an­walt­schaft han­delt [2].

So ergab die Aus­le­gung der Revi­si­ons­be­grün­dung der Staats­an­walt­schaft im hier ent­schie­de­nen Fall nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs unbe­scha­det des umfas­sen­den Auf­he­bungs­an­trags und der all­ge­mein erho­be­nen Sach­rü­ge ein­deu­tig, dass ledig­lich die Ein­zel­stra­fen und der Gesamt­stra­fen­aus­spruch ange­grif­fen wer­den:

Die Staats­an­walt­schaft hat in ihrer Revi­si­ons­be­grün­dung zunächst die Ver­let­zung mate­ri­el­len Rechts gerügt und im Anschluss dar­an aus­ge­führt, dass die durch die Straf­kam­mer ver­häng­ten Ein­zel­stra­fen und die Bil­dung der Gesamt­stra­fe recht­li­cher Über­prü­fung nicht stand­hiel­ten. Die Revi­si­ons­be­grün­dung erschöpft sich im Wei­te­ren in Ein­zel­an­grif­fen gegen die Straf­zu­mes­sung im enge­ren Sinn und gegen die Gesamt­stra­fe.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­nimmt die­sem Revi­si­ons­vor­brin­gen, dass allein der Straf­aus­spruch ange­foch­ten wer­den soll. Den Schuld­spruch oder die Anord­nung des Wert­er­satz­ver­falls betref­fen­de Ein­zel­be­an­stan­dun­gen wer­den nicht erho­ben. Dem kommt hier beson­de­re Bedeu­tung zu, denn die Staats­an­walt­schaft ist nach Nr. 156 Abs. 2 RiStBV gehal­ten, kei­ne all­ge­mei­nen Sach­rü­gen zu erhe­ben und Revi­sio­nen so zu begrün­den, dass klar ersicht­lich ist, in wel­chen Aus­füh­run­gen des ange­foch­te­nen Urteils eine Rechts­ver­let­zung gese­hen und auf wel­che Grün­de die­se Rechts­auf­fas­sung gestützt wird [3]. Gegen eine Anfech­tung des Schuld­spruchs spricht schließ­lich auch, dass die­ser mit der recht­li­chen Wür­di­gung der Staats­an­walt­schaft in der Ankla­ge­schrift über­ein­stimmt. Die Anord­nung von Wert­er­satz­ver­fall in Höhe von 5.000 Euro ent­spricht dem Schluss­an­trag des Ver­tre­ters der Staats­an­walt­schaft.

Eine den Schuld­spruch unbe­rührt las­sen­de iso­lier­te Anfech­tung des Straf­aus­spruchs ist grund­sätz­lich mög­lich und in der Regel wirk­sam [4]. Es lie­gen kei­ne Umstän­de vor, aus denen sich aus­nahms­wei­se eine untrenn­ba­re Ver­knüp­fung von Schuld- und Straf­fra­ge ergibt.

Auch eine Erstre­ckung des Revi­si­ons­an­griffs auf die Ver­falls­ent­schei­dung war nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht ver­an­lasst. Die Anord­nung des Ver­falls von Wert­er­satz ist wie die Anord­nung des Ver­falls in der Regel kein Straf­mil­de­rungs­grund und des­halb von der Straf­fest­set­zung unab­hän­gig [5]. Eine ein Trenn­bar­keits­hin­der­nis begrün­den­de Ver­knüp­fung wur­de in den Urteils­grün­den nicht her­ge­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2017 – 4 StR 481/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 21.10.1980 – 1 StR 262/​80, BGHSt 29, 359, 365 [zu § 318 StPO]; Beschluss vom 28.01.2004 – 2 StR 493/​03, bei Becker, NStZ-RR 2005, 65, 68[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 18.12 2014 – 4 StR 468/​14, NStZ-RR 2015, 88; Urteil vom 11.06.2014 – 2 StR 90/​14, NStZ-RR 2014, 285; Urteil vom 04.09.2008 – 1 StR 383/​08, bei Cierniak/​Zimmermann, NStZ-RR 2011, 225, 234; Urteil vom 06.02.2002 – 1 StR 506/​01, bei Becker, NStZ-RR 2003, 1 Nr. 18; Urteil vom 07.08.1997 – 1 StR 319/​97, NStZ 1998, 210[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2002 – 1 StR 506/​01, bei Becker, NStZ-RR 2003, 1, 6[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 18.12 2014 – 4 StR 468/​14, NStZ-RR 2015, 88; Urteil vom 08.01.1954 – 2 StR 572/​53, NJW 1954, 441; RGSt 45, 149, 150, st. Rspr.[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 05.12 1996 – 5 StR 542/​96, NStZ-RR 1997, 270, 271 mwN[]