Beschwer­de gegen einen Haft­be­fehl – und sei­ne zwi­schen­zeit­li­che Auf­he­bung

Der Zuläs­sig­keit einer Beschwer­de gegen den Haft­be­fehl steht nicht ent­ge­gen, dass die­ser mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­ben wor­den ist.

Beschwer­de gegen einen Haft­be­fehl – und sei­ne zwi­schen­zeit­li­che Auf­he­bung

Zwar kann der Weg­fall einer ange­foch­te­nen Maß­nah­me man­gels gegen­wär­ti­ger Beschwer zur Unstatt­haf­tig­keit der dage­gen erho­be­nen Beschwer­de füh­ren (sog. pro­zes­sua­le Über­ho­lung). Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 1 besteht jedoch unter dem Gesichts­punkt eines Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­ses ein Rechts­schutz­be­dürf­nis dann, wenn sich die Beschwer­de gegen einen Ein­griff in die per­sön­li­che Frei­heit des Beschul­dig­ten rich­tet, soweit der Beschwer­de­füh­rer – wie hier – die Recht­mä­ßig­keit der Maß­nah­me nicht ander­wei­tig mit einem ordent­li­chen Rechts­mit­tel über­prü­fen las­sen kann 2.

Die Beschwer­de darf in sol­chen Fäl­len weder wegen pro­zes­sua­ler Über­ho­lung gegen den Wil­len des Beschwer­de­füh­rers für erle­digt erklärt noch aus die­sem Grund als unzu­läs­sig ver­wor­fen wer­den 3. Viel­mehr ist die Recht­mä­ßig­keit der zwi­schen­zeit­lich weg­ge­fal­le­nen Maß­nah­me zu prü­fen und gege­be­nen­falls deren Rechts­wid­rig­keit fest­zu­stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Okto­ber 2018 – StB 43/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 31.10.2005 – 2 BvR 2233/​04, Stra­Fo 2006, 20; vom 24.08.2017 – 2 BvR 77/​16, NStZ-RR 2017, 379, 380 mwN; fer­ner Beschlüs­se vom 05.12 2001 – 2 BvR 527/​99 u.a., BVerfGE 104, 220, 235 f.; vom 08.04.2004 – 2 BvR 1811/​03, NStZ-RR 2004, 252, 253; vom 09.09.2005 – 2 BvR 431/​02, NJW 2006, 40 f.; s. auch BGH, Beschluss vom 30.03.2017 – StB 7/​17, NStZ 2017, 418, 419[]
  2. s. hier­zu BGH, Beschluss vom 04.01.2013 – StB 10/​12 u.a. 4[]
  3. s. zu die­sen bei­den Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten Beck­OK StPO/​Cirener, § 296 Rn. 11[]