Beson­ders schwe­re Brand­stif­tung – und sei­ne Voll­endung

Nach § 306b Abs. 2 Nr. 1 StGB wird wegen beson­ders schwe­rer Brand­stif­tung bestraft, wer in den Fäl­len des § 306a StGB (schwe­re Brand­stif­tung) einen ande­ren Men­schen durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.

Beson­ders schwe­re Brand­stif­tung – und sei­ne Voll­endung

§ 306b Abs. 2 Nr. 1 StGB setzt die kon­kre­te Gefahr des Todes eines ande­ren Men­schen vor­aus. Wann eine sol­che Gefahr gege­ben ist, ent­zieht sich exak­ter wis­sen­schaft­li­cher Umschrei­bung 1. Die Tat­hand­lung muss aber jeden­falls über die ihr inne­woh­nen­de laten­te Gefähr­lich­keit hin­aus im Hin­blick auf einen bestimm­ten Vor­gang in eine kri­ti­sche Situa­ti­on für das geschütz­te Rechts­gut geführt haben; in die­ser Situa­ti­on muss – was nach der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung auf­grund einer objek­tiv nach­träg­li­chen Pro­gno­se zu beur­tei­len ist – die Sicher­heit einer bestimm­ten Per­son so stark beein­träch­tigt wor­den sein, dass es nur noch vom Zufall abhing, ob das Rechts­gut ver­letzt wur­de oder nicht 2. Allein der Umstand, dass sich Men­schen in enger räum­li­cher Nähe zur Gefah­ren­quel­le befin­den, genügt noch nicht zur Annah­me einer kon­kre­ten Gefahr 3.

Umge­kehrt wird die Annah­me einer Gefahr aber auch nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass ein Scha­den aus­ge­blie­ben ist, weil sich der Gefähr­de­te noch in Sicher­heit brin­gen konn­te. Erfor­der­lich ist ein Gesche­hen, bei dem ein unbe­tei­lig­ter Beob­ach­ter zu der Ein­schät­zung gelangt, dass "das noch ein­mal gut gegan­gen sei" 4.

Eine sol­che "hoch­gra­di­ge Exis­tenz­kri­se" 5 kann dann nicht gege­ben sein, wenn die Bewoh­ner durch das Anschla­gen des Feu­er- mel­ders früh­zei­tig auf den Brand auf­merk­sam gewor­den sind und recht­zei­tig das Haus ver­las­sen konn­ten, ohne im Zeit­punkt der Ret­tung bereits vom Brand­ge­sche­hen unmit­tel­bar betrof­fen zu sein.

In einem sol­chen Fall kann jedoch aber ein Ver­such der beson­ders schwe­ren Brand­stif­tung gemäß § 306b Abs. 2 Nr. 1 StGB vor­lie­gen, wenn der Täter damit rech­ne­te, dass die Bewoh­ner sich in der Woh­nung (hier: im ers­ten Ober­ge­schoss) befin­den und dar­in zu Tode kom­men könn­ten. Dass er dabei den Ein­tritt der Todes­ge­fahr bil­li­gend in Kauf nahm, liegt ange­sichts sei­nes (beding­ten) Tötungs­vor­sat­zes auf der Hand.

In Tat­ein­heit mit dem Ver­such der beson­ders schwe­ren Brand­stif­tung steht die voll­ende­te schwe­re Brand­stif­tung nach § 306a Abs. 1 Nr. 1 und Abs. 2 StGB 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. August 2018 – 4 StR 162/​18

  1. BGH, Beschluss vom 15.02.1963 – 4 StR 404/​62, BGHSt 18, 271, 272[]
  2. BGH, Urtei­le vom 25.10.1984 – 4 StR 567/​84, NStZ 1985, 263 mit Anm. Geppert; und vom 15.09.1998 – 1 StR 290/​98, NStZ 1999, 32, 33; Wolff in LK-StGB, 12. Aufl., § 306a Rn. 29, § 306b Rn. 14 f.; Heine/​Bosch in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., Vor­bem. §§ 306 ff. Rn. 5 f.[]
  3. BGH, Urteil vom 11.01.2017 – 5 StR 409/​16, NStZ 2017, 281, 282[]
  4. BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – 4 StR 401/​13, NStZ 2014, 85, 86[]
  5. vgl. zu § 315c StGB BGH, Urteil vom 30.03.1995 – 4 StR 725/​94, NZV 1995, 325 mwN; OLG Koblenz, Beschluss vom 19.12 2017 – 2 OLG 6 Ss 138/​17[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – 4 StR 401/​13, NStZ 2014, 85, 86; Fischer, StGB, 65. Aufl., § 306a Rn. 15[]