Beson­ders schwe­re räu­be­ri­sche Erpres­sung – und die Fra­ge des min­der schwe­ren Falls

Ob ein der­art beson­de­rer Aus­nah­me­fall vor­liegt, dass die Anwen­dung des Regel­straf­rah­mens nicht mehr ange­mes­sen erscheint, ist dar­an aus­zu­rich­ten, ob das gesam­te Tat­bild ein­schließ­lich aller sub­jek­ti­ven Momen­te der Täter­per­sön­lich­keit vom Durch­schnitt der erfah­rungs­ge­mäß vor­kom­men­den Fäl­le in einem Maß abweicht, dass die Anwen­dung eines Aus­nah­me­straf­rah­mens gebo­ten erscheint.

Beson­ders schwe­re räu­be­ri­sche Erpres­sung – und die Fra­ge des min­der schwe­ren Falls

In die damit gebo­te­ne Gesamt­wür­di­gung sind alle Umstän­de ein­zu­be­zie­hen, die für die Wer­tung von Tat und Täter­per­sön­lich­keit in Betracht kom­men, gleich­gül­tig, ob sie der Tat inne­woh­nen, sie beglei­ten, ihr vor­an­ge­hen oder ihr nach­fol­gen 1.

Die Annah­me oder Ableh­nung eines (unbe­nann­ten) min­der schwe­ren Falls durch das Tat­ge­richt unter­liegt revi­si­ons­ge­richt­li­cher Prü­fung – wie die Straf­zu­mes­sung ins­ge­samt – ledig­lich auf Rechts­feh­ler hin 2. Eine ins Ein­zel­ne gehen­de Rich­tig­keits­kon­trol­le ist aus­ge­schlos­sen 3.

Im vor­lie­gen­den Fall hat das Land­ge­richt sei­nen Erwä­gun­gen zur Anwen­dung des Aus­nah­me­straf­rah­mens in recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se eine Gesamt­wür­di­gung sowohl der die Tat als auch die Per­son des Ange­klag­ten prä­gen­den Umstän­de zugrun­de gelegt. Ent­ge­gen der von der Revi­si­on erho­be­nen Bean­stan­dung erschöpft sich die­se Wür­di­gung nicht in einer schlich­ten Auf­zäh­lung von Straf­schär­fungs- und Straf­mil­de­rungs­grün­den. Viel­mehr hat das Land­ge­richt erkenn­bar eine Gewich­tung der berück­sich­tig­ten Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­en vor­ge­nom­men, wie sich ins­be­son­de­re an den Aus­füh­run­gen zu der Bedeu­tung der frü­he­ren Straf­fäl­lig­keit des Ange­klag­ten und des Umstan­des zeigt, dass die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Taten wäh­rend lau­fen­der Bewäh­rung began­gen wur­den. Soweit der Tatrich­ter dabei den als Jugend­li­cher und Her­an­wach­sen­der began­ge­nen frü­he­ren Straf­ta­ten des Ange­klag­ten einen deut­lich gerin­ge­ren "Unrechts­ge­halt" – offen­bar im Ver­gleich zur Abur­tei­lung auf der Grund­la­ge des all­ge­mei­nen Straf­rechts – bei­gemes­sen hat, erweist sich dies nicht als durch­grei­fen­der Rechts­feh­ler.

Der äuße­re Unrechts­ge­halt einer von jugend­li­chen oder her­an­wach­sen­den Tätern ver­üb­ten Tat unter­schei­det sich zwar nicht von dem bei der Tat­be­ge­hung durch nicht in den Anwen­dungs­be­reich des JGG fal­len­de Täter 4. Aller­dings ist das für die Straf­zu­mes­sung bedeut­sa­me Aus­maß des vor­werf­bar, also schuld­haft ver­wirk­lich­ten Unrechts bei jugend­li­chen und – ggf. (vgl. § 105 Abs. 1 JGG) – her­an­wach­sen­den Straf­tä­tern unter Berück­sich­ti­gung der ent­wick­lungs­be­ding­ten Beson­der­hei­ten in jugend­spe­zi­fi­scher Wei­se zu bestim­men 5. Für die Straf­rah­men­wahl kommt es aber gera­de auf die­sen straf­zu­mes­sungs­re­le­van­ten Schuld­ge­halt frü­he­rer Straf­tat­be­ge­hung an.

Die Gewich­tung der in die gebo­te­ne Gesamt­wür­di­gung ein­ge­stell­ten Straf­zu­mes­sungs­kri­te­ri­en zeigt sich im Übri­gen u.a. dar­in, dass das Land­ge­richt ledig­lich unter Ver­brauch des ver­typ­ten Mil­de­rungs­grun­des aus § 23 Abs. 2 StGB zum min­der schwe­ren Fall gemäß § 250 Abs. 3 StGB gelangt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2017 – 1 StR 112/​17

  1. st. Rspr.; sie­he nur BGH, Urteil vom 15.03.2017 – 2 StR 294/​16, NJW 2017, 2776 Rn. 16 mwN[]
  2. zum Maß­stab näher BGH, Urteil vom 13.07.2017 – 1 StR 536/​16, Rn. 64 mwN[]
  3. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 10.04.1987 – GSSt 1/​86, BGHSt 34, 345, 349; Urteil vom 12.01.2016 – 1 StR 414/​15, NStZ-RR 2016, 107; und vom 13.07.2017 – 1 StR 536/​16, Rn. 64 mwN[]
  4. vgl. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 2. Aufl., Band 6, JGG § 17 Rn.20 f.[]
  5. BGH, Urtei­le vom 20.04.2016 – 2 StR 320/​15, NJW 2016, 2050, 2051; und vom 04.08.2016 – 4 StR 142/​16, NStZ-RR 2016, 325, 326 mwN[]