Beson­ders schwe­rer Raub – und der Wurf mit dem Tre­sor

Der Begriff des Ver­wen­dens im Sin­ne des § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB umfasst jeden zweck­ge­rich­te­ten Gebrauch.

Beson­ders schwe­rer Raub – und der Wurf mit dem Tre­sor

Er bezieht sich auf den Ein­satz des Nöti­gungs­mit­tels im Grund­tat­be­stand, so dass ein Ver­wen­den immer dann zu beja­hen ist, wenn der Täter zur Weg­nah­me einer frem­den beweg­li­chen Sache eine Waf­fe oder ein gefähr­li­ches Werk­zeug gera­de als Mit­tel ent­we­der der Gewalt gegen eine Per­son oder der Dro­hung mit gegen­wär­ti­ger Gefahr für deren Leib oder Leben gebraucht 1.

Dies war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall gege­ben: Der Ange­klag­te hat den Tre­sor auf das Opfer gewor­fen und die­se damit am Ober­kör­per getrof­fen. Hier­durch woll­te er sie dazu ver­an­las­sen, den Tre­sor zu öff­nen, um danach die dar­in befind­li­che wert­vol­le Uhr weg­neh­men und sich zueig­nen zu kön­nen. Damit hat er den Tre­sor als Mit­tel der Gewalt im dar­ge­stell­ten Sinn gebraucht. Der Bun­des­ge­richts­hof ver­mag auch dem Gesamt­zu­sam­men­hang der Urteils­grün­de nicht zu ent­neh­men, dass der Wurf etwa nur zu dem Zweck erfolgt sein könn­te, der Neben­klä­ge­rin den leich­te­ren Zugriff auf den Tre­sor zur Ein­ga­be der PIN zu ermög­li­chen. Ein (geziel­ter) Wurf "auf" die Neben­klä­ge­rin (nicht "zu" ihr) wäre hier­für auch nicht not­wen­dig gewe­sen. Für die Annah­me einer ledig­lich bei Gele­gen­heit eines Dieb­stahl­so­der Raub­ver­suchs ver­üb­ten gefähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung ist unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kein Raum, zumal der Ange­klag­te unmit­tel­bar danach dazu über­ging, die Neben­klä­ge­rin mit der Schreck­schuss­waf­fe an Leib und Leben zu bedro­hen, um an den Inhalt des Tre­sors zu gelan­gen.

Der Ange­klag­te hat das Opfer auch im Sin­ne von § 250 Abs. 2 Nr. 3 lit. a StGB kör­per­lich schwer miss­han­delt. Davon ist aus­zu­ge­hen bei einer schwe­ren Beein­träch­ti­gung der kör­per­li­chen Inte­gri­tät des Opfers mit erheb­li­chen Fol­gen für die Gesund­heit oder erheb­li­chen Schmer­zen 2. Der Ange­klag­te hat der Neben­klä­ge­rin bei der Raub­tat drei der­art hef­ti­ge Faust­schlä­ge in das Gesicht ver­setzt, dass sie ein wei­te­res Mal in Bewusst­lo­sig­keit ver­fiel. Wie von sei­nem Vor­satz umfasst, waren dabei Kopf und Gesicht der Neben­klä­ge­rin durch die vor­an­ge­gan­ge­nen Trit­te und Schlä­ge bereits beträcht­lich vor­ge­schä­digt unter ande­rem mit einem Bruch des Stirn­beins. Bei mas­si­ven Schlä­gen in ein sol­cher­ma­ßen mal­trä­tier­tes Gesicht und dadurch ver­ur­sach­ter Bewusst­lo­sig­keit steht eine kör­per­lich schwe­re Miss­hand­lung außer Zwei­fel. Dass das Land­ge­richt wegen des inso­weit feh­len­den Erin­ne­rungs­ver­mö­gens der Neben­klä­ge­rin nicht fest­zu­stel­len ver­moch­te, ob das Opfer auch erheb­li­che Schmer­zen ver­spür­te, ver­mag dies nicht in Fra­ge zu stel­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Novem­ber 2018 – 5 StR 241/​18

  1. st. Rspr., vgl. etwa BGH, Urtei­le vom 05.08.2010 – 3 StR 190/​10, NStZ 2011, 211, 212; vom 11.05.1999 – 4 StR 380/​98, BGHSt 45, 92, 94 f.; vom 08.05.2008 – 3 StR 102/​08, NStZ 2008, 687; Münch­Komm-StG­B/­San­der, 3. Aufl., § 250 Rn. 58 ff., jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 15.09.2010 – 2 StR 395/​10, NStZ-RR 2011, 337, 338; Beschluss vom 30.01.2007 – 3 StR 1/​07, NStZ-RR 2007, 175; Münch­Komm-StG­B/­San­der, aaO, § 250 Rn. 66 mwN[]