Bestech­lich­keit beim öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on des ehe­ma­li­gen Her­stel­lungs­lei­ters bei dem Kin­der­ka­nal KI.KA – einem Gemein­schafts­pro­gramm von ARD und ZDF unter der Feder­füh­rung des Mit­tel­deut­schen Rund­funks (MDR) – als unbe­grün­det ver­wor­fen. Die­ser hat­te sich gegen sei­ne Ver­ur­tei­lung durch das Land­ge­richt Erfurt gewandt, wel­ches ihn am 05. Juli 2011 wegen Bestech­lich­keit in Tat­ein­heit mit Untreue in 48 Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von fünf Jah­ren und drei Mona­ten ver­ur­teilt hat­te1.

Bestech­lich­keit beim öffent­lich-recht­li­chen Fern­se­hen

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Erfurt war der heu­te 44-jäh­ri­ge Ange­klag­te seit dem Jahr 1996 als ange­stell­ter Her­stel­lungs­lei­ter beim Kin­der­ka­nal tätig. Zu sei­nen Auf­ga­ben gehör­te u.a. die betriebs­wirt­schaft­li­che Betreu­ung sämt­li­cher Pro­gramm­pro­duk­tio­nen und sons­ti­ger Betriebs­vor­gän­ge. Dane­ben war er berech­tigt, in fest­ge­leg­tem Umfang Auf­trä­ge an exter­ne Pro­duk­ti­ons­dienst­leis­ter zu ver­ge­ben und Rech­nun­gen anzu­wei­sen; eine wirk­sa­me inter­ne Über­prü­fung sei­ner Tätig­keit fand dies­be­züg­lich prak­tisch nicht statt. Dies nutz­te der Ange­klag­te im Zusam­men­wir­ken mit dem Geschäfts­füh­rer eines frei­en Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­mens dazu aus, den MDR in einer Viel­zahl von Fäl­len mit­tels von ihm an das Unter­neh­men erteil­ter fin­gier­ter Auf­trä­ge und ent­spre­chen­der Schein­rech­nun­gen zur Aus­zah­lung von Beträ­gen im fünf- bis sechs­stel­li­gen Eurobe­reich zu ver­an­las­sen, obwohl die abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen, wie der Ange­klag­te wuss­te, zu kei­nem Zeit­punkt erbracht wor­den waren. Im abge­ur­teil­ten Tat­zeit­raum, Okto­ber 2005 bis Okto­ber 2010, erziel­te das Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men auf die­se Wei­se unbe­rech­tig­te Ein­nah­men von ins­ge­samt 4.622.836,04 €. Der Ange­klag­te nahm nach Beglei­chung der Schein­rech­nun­gen durch den MDR einen Anteil von min­des­tens 40% der jewei­li­gen Rech­nungs­sum­me ent­ge­gen, den ihm der Geschäfts­füh­rer des Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­mens in bar zukom­men ließ. Das Geld ver­wen­de­te der Ange­klag­te zu einem gerin­gen Teil für sei­nen lau­fen­den Lebens­un­ter­halt. Den größ­ten Teil setz­te der an patho­lo­gi­scher Spiel­sucht lei­den­de Ange­klag­te jedoch an Geld­spiel­au­to­ma­ten um.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Dezem­ber 2011 – 2 StR 521/​11

  1. LG Erfurt, Urteil vom 05.07.2011 – 391 Js 33026/​10 – 7 KLs