Bestechung, Bestech­lich­keit – und die Ver­jäh­rung

Die für das Ver­ge­hen der Bestechung bzw. der Bestech­lich­keit gemäß § 299 StGB a.F. maß­geb­li­che Ver­jäh­rungs­frist beträgt fünf Jah­re (§ 78 Abs. 3 Nr. 4, Abs. 4 StGB), die abso­lu­te Ver­jäh­rungs­frist zehn Jah­re (§ 78c Abs. 3 Satz 2 StGB). Die Ver­jäh­rungs­frist beginnt gemäß § 78a StGB mit der Been­di­gung der Tat zu lau­fen. Die im Ver­hält­nis der Tat­mehr­heit zuein­an­der ste­hen­den Taten der Bestechung waren hier jeweils mit der Gewäh­rung des Vor­teils been­det.

Bestechung, Bestech­lich­keit – und die Ver­jäh­rung

Mate­ri­ell been­det ist eine Tat, wenn der Täter sein rechts­ver­nei­nen­des Tun ins­ge­samt abge­schlos­sen hat, das Tat­un­recht mit­hin in vol­lem Umfang ver­wirk­licht ist 1. Zur Tat­be­en­di­gung zäh­len auch sol­che Umstän­de, die zwar nicht mehr von der objek­ti­ven Tat­be­stands­um­schrei­bung erfasst wer­den, aber den­noch das mate­ri­el­le Unrecht der Tat ver­tie­fen, weil sie den Angriff auf das geschütz­te Rechts­gut per­p­etu­ie­ren oder inten­si­vie­ren 2. Sind sol­che Hand­lun­gen nicht fest­ge­stellt, so beginnt die Ver­jäh­rung, sobald der Vor­teil voll­stän­dig ent­ge­gen­ge­nom­men und zugleich die bevor­zu­gen­de Hand­lung voll­stän­dig abge­schlos­sen ist 3.

Die Ver­jäh­rungs­frist begann gemäß § 78a StGB jeweils mit der Gewäh­rung des Vor­teils (hier: der Gut­schrift der Schecks zu Guns­ten des Kon­tos des Besto­che­nen) zu lau­fen. Dabei ste­hen die ein­zel­nen Taten jeweils im Ver­hält­nis der Tat­mehr­heit (§ 53 StGB) und nicht im Ver­hält­nis der Tat­ein­heit (§ 52 StGB) zuein­an­der.

Zwar gin­gen die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zah­lun­gen auf die zuvor gene­rell getrof­fe­ne Unrechts­ver­ein­ba­rung zurück, wonach der Besto­che­ne die Fir­ma Q. GmbH be- vor­zugt mit Trans­port­auf­trä­gen beauf­tra­gen und als "Gegen­leis­tung" hier­für monat­li­che Geld­zah­lun­gen erhal­ten soll­te. Jedoch ver­bin­det die Tat­be­ge­hung in Gestalt die­ser Unrechts­ver­ein­ba­rung die spä­te­ren ein­zel­nen Zah­lun­gen nicht zu einer tat­be­stand­li­chen Hand­lungs­ein­heit.

Eine tat­be­stand­li­che Hand­lungs­ein­heit läge nur vor, wenn bereits die Unrechts­ver­ein­ba­rung selbst den zu leis­ten­den Vor­teil genau fest­legt, mag er auch spä­ter in bestimm­ten Teil­leis­tun­gen zu erbrin­gen sein 4. In Fäl­len, in denen die Lauf­zeit der Vor­teils­ge­wäh­rung offen ist, die Vor­teils­ge­wäh­rung also "openend"-Charakter trägt, erfüllt jede ein­zel­ne Zah­lung erneut den Tat­be­stand der Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr 5.

Gemes­sen hier­an ist die Annah­me recht­lich selbst­stän­di­ger Taten von Rechts wegen nicht zu bean­stan­den. Nach den Fest­stel­lun­gen ist eine genaue Fest­le­gung des Vor­teils bei der Unrechts­ver­ein­ba­rung nicht erfolgt. Zwar haben die Betei­lig­ten monat­li­che Zah­lun­gen in gleich­blei­ben­der Höhe ver­ein­bart. Der damit ver­spro­che­ne Vor­teil hing jedoch nach den getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen jeweils davon ab, dass auch der Besto­che­ne die ver­ein­bar­te bevor­zu­gen­de Beauf­tra­gung der Q. GmbH fort­setz­te. Damit waren die Taten mit­hin jeweils mit der Gewäh­rung des Vor­teils an den Besto­che­nen been­det.

Abso­lu­te Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung trat gemäß § 78c Abs. 3 Satz 2 StGB mit Ver­strei­chen des Dop­pel­ten der gesetz­li­chen Ver­jäh­rungs­frist ein. Ein Fall des § 78b Abs. 4 StGB liegt nicht vor. § 300 StGB sieht für den beson­ders schwe­ren Fall der Bestechung bzw. der Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr einen Straf­rah­men von drei Mona­ten bis fünf Jah­ren vor und erfüllt damit nicht die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des § 78b Abs. 4 StGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 25. Okto­ber 2017 – 2 StR 252/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 26.02.1997 – 3 StR 525/​96, BGHSt 43, 1, 7; vom 18.06.2003 – 5 StR 489/​02, NJW 2003, 2996, 2997[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 19.06.2008 – 3 StR 90/​08, BGHSt 52, 300, 303; und vom 06.09.2011 – 1 StR 633/​10, NStZ 2012, 511, 513[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 13.10.1994 – 1 StR 614/​93, BGHR UWG § 12 Abs. 2 Ange­stell­ten­be­stech­lich­keit 1; vom 02.12 2005 – 5 StR 119/​05, NJW 2006, 925, 927; Beschluss vom 09.10.2007 – 4 StR 444/​07, NStZ-RR 2008, 42, 43; vgl. auch BGH, Urteil vom 18.05.2017 – 3 StR 103/​17, NJW 2017, 2565[]
  4. BGH, Urteil vom 11.02.2009 – 2 StR 339/​08, NStZ 2009, 347; BGH, Urteil vom 11.05.2001 – 3 StR 549/​00, BGHSt 47, 22, 30[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 11.02.2009 – 2 StR 339/​08, NStZ 2009, 445; BGH, Urteil vom 13.10.1994 – 1 StR 614/​93, NStZ 1995, 92; Urteil vom 13.11.1997 – 1 StR 323/​97, NStZ-RR 1998, 269; Beschluss vom 05.06.1996 – 3 StR 534/​95 II, BGHR StGB vor § 1/​Serienstraftaten; Urteil vom 18.10.1995 – 3 StR 324/​94, BGHSt 41, 292, 302[]