Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die mit­tä­ter­schaft­li­che Betei­li­gung

Bei Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen, von denen nicht jeder sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le ver­wirk­licht, ist Mit­tä­ter im Sin­ne von § 25 Abs. 2 StGB, wer einen eige­nen Tat­bei­trag leis­tet und die­sen so in die Tat ein­fügt, dass er als Teil der Hand­lung eines ande­ren Betei­lig­ten und umge­kehrt des­sen Han­deln als Ergän­zung des eige­nen Tat­bei­trags erscheint.

Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die mit­tä­ter­schaft­li­che Betei­li­gung

Mit­tä­ter­schaft erfor­dert dabei zwar nicht zwin­gend eine Mit­wir­kung am Kern­ge­sche­hen selbst und auch kei­ne Anwe­sen­heit am Tat­ort; aus­rei­chen kann viel­mehr auch ein die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung för­dern­der Bei­trag, der sich auf eine Vor­be­rei­tungs- oder Unter­stüt­zungs­hand­lung beschränkt.

Stets muss sich die objek­tiv aus einem wesent­li­chen Tat­bei­trag bestehen­de Mit­wir­kung aber nach der Wil­lens­rich­tung des sich Betei­li­gen­den als Teil der Tätig­keit aller dar­stel­len 1.

Nach die­sen Maß­stä­ben ver­moch­te der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall einer Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr eine Mit­tä­ter­schaft des im kon­kre­ten Fall nicht han­deln­den Geschäfts­füh­rers nicht zu beja­hen: So beschränk­ten sich die land­ge­richt­li­chen Fest­stel­lun­gen auf die Bil­li­gung der straf­recht­lich rele­van­ten Gescheh­nis­se durch den Geschäfts­füh­rer. Auch wenn eine sol­che ange­sichts sei­ner her­aus­ra­gen­den Stel­lung im Unter­neh­men "für das Gelin­gen der Taten unent­behr­lich" gewe­sen sein mag, sind wesent­li­che Tat­bei­trä­ge im Rah­men eines kol­lek­ti­ven Zusam­men­wir­kens nicht fest­ge­stellt. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts hät­te der Geschäfts­füh­rer "jeder­zeit auf die Taten Ein­fluss neh­men kön­nen und die Han­deln­den als belie­big aus­tausch­ba­re Räd­chen im Getrie­be abbe­ru­fen kön­nen". Damit beschreibt die Straf­kam­mer im Kern eine dem Haf­tungs­sys­tem des StGB frem­de "Vor­ge­setz­ten­ver­ant­wort­lich­keit", wie sie in § 4 VStGB nor­miert ist. Für die Annah­me mit­tä­ter­schaft­li­cher Betei­li­gung hät­te es wei­te­rer Anknüp­fungs­punk­te, ins­be­son­de­re einer akti­ven Teil­nah­me an der Umset­zung des Tat­plans, bei­spiels­wei­se durch Rech­nungs­frei­zeich­nun­gen oder Rech­nungs­an­wei­sun­gen, bedurft.

Zwar wür­de als die Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung objek­tiv för­dern­der Bei­trag auch ein bewuss­tes Bestär­ken des Tat­wil­lens des die Tat aus­füh­ren­den ande­ren Mit­tä­ters genü­gen 2. Auch dazu feh­len jedoch aus­rei­chen­de Fest­stel­lun­gen im Urteil.

Soweit kei­ne unmit­tel­ba­ren Mit­wir­kungs­hand­lun­gen des Ange­klag­ten an ein­zel­nen Taten ande­rer Betei­lig­ter, son­dern ledig­lich Tat­bei­trä­ge fest­stell­bar sind, die sich im Auf­bau und in der Auf­recht­erhal­tung eines auf Straf­ta­ten nach § 299 StGB aus­ge­rich­te­ten "Geschäfts­be­trie­bes" erschöp­fen, wird das neue Tat­ge­richt zu prü­fen haben, ob die­se Betei­li­gung als unei­gent­li­ches Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt zu einer ein­heit­li­chen Tat im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB zusam­men­zu­fas­sen ist 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Dezem­ber 2017 – 2 StR 308/​16

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – 3 StR 129/​16, NStZ-RR 2016, 335 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 28.03.2000 – 1 StR 637/​99 mwN; Fischer, aaO, § 25 Rn. 32[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 183 f.; Beschluss vom 03.03.2016 – 4 StR 134/​15 12; Münch­Komm-StG­B/K­rick, 2. Aufl., § 299 Rn. 41[]