Betei­li­gung am ban­den­mä­ßi­gen BTM-Han­del – Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe?

Die Fra­ge, ob die Betei­li­gung an einer Band­en­tat als Mit­tä­ter­schaft oder als Bei­hil­fe ein­zu­ord­nen ist, ist auch beim ban­den­mä­ßi­gen uner­laub­ten Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln nach den Grund­sät­zen des all­ge­mei­nen Straf­rechts zu beant­wor­ten 1.

Betei­li­gung am ban­den­mä­ßi­gen BTM-Han­del – Mit­tä­ter­schaft oder Bei­hil­fe?

Wesent­li­che Anhalts­punk­te sind dabei der Grad des Tat­in­ter­es­ses, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung, die Tat­herr­schaft oder jeden­falls der Wil­le zur Tat­herr­schaft, so dass Durch­füh­rung und Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Tat­be­tei­lig­ten abhän­gen 2.

Beschränkt sich die Betei­li­gung auf einen Teil­akt des Umsatz­ge­schäfts, kommt es nach neue­rer Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Bedeu­tung der kon­kre­ten Betei­li­gungs­hand­lung im Rah­men des Gesamt­ge­schäfts zukommt 3. Die­se Umstän­de sind in die erfor­der­li­che wer­ten­de Gesamt­be­trach­tung ein­zu­be­zie­hen 4.

Gemes­sen dar­an sah der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall die Annah­me täter­schaft­li­chen Han­delns als nicht trag­fä­hig belegt. An der erfor­der­li­chen wer­ten­den Gesamt­be­trach­tung aller für und gegen die Annah­me von Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de fehlt es. Die Annah­me täter­schaft­li­chen Han­delns lag auch unter Berück­sich­ti­gung des Gesamt­zu­sam­men­hangs der Urteils­grün­de nicht auf der Hand.

Nach den Fest­stel­lun­gen ver­sorg­te der Ange­klag­te auf Wei­sung über­ge­ord­ne­ter Ban­den­mit­glie­der soge­nann­te "Läu­fer", denen die Auf­ga­be zukam, Koka­in in Por­tio­nen von jeweils 0, 2 Gramm für jeweils 20 EUR im Stra­ßen­ver­kauf abzu­set­zen, mit dem por­ti­ons­fer­tig ver­pack­ten Koka­in; dar­über hin­aus sam­mel­te er die Rausch­gift­erlö­se ein und lie­fer­te sie an sei­ne Hin­ter­män­ner ab, ohne dass hier­zu im Ein­zel­nen Fest­stel­lun­gen getrof­fen wor­den wären. Er wur­de von einem Taxi­fah­rer unter­stützt, der ihn zugleich über­wach­te.

Anhalts­punk­te dafür, dass dem Ange­klag­ten eige­ne Ent­schei­dungs­spiel­räu­me ein­ge­räumt waren und er – bezo­gen auf das jewei­li­ge Umsatz­ge­schäft – Tat­herr­schaft oder jeden­falls den Wil­len zur Tat­herr­schaft hat­te, feh­len. Dar­über hin­aus hät­te der Umstand, dass der Ange­klag­te an den Betäu­bungs­mit­tel­er­lö­sen nicht unmit­tel­bar par­ti­zi­pier­te, son­dern für sein Tätig­wer­den neben frei­er Kost und Logis einen Geld­be­trag in Höhe von rund 20 EUR täg­lich erhielt und dies gegen ein unmit­tel­ba­res wirt­schaft­li­ches Inter­es­se des Ange­klag­ten an den ein­zel­nen Umsatz­ge­schäf­ten spre­chen konn­te, in die dem Tat­ge­richt oblie­gen­de Wür­di­gung aller für und gegen die Täter­schaft spre­chen­den Umstän­de ein­ge­stellt wer­den müs­sen. Die Fest­stel­lun­gen bele­gen damit zwar eine Gehil­fen­tä­tig­keit des Ange­klag­ten, nicht jedoch mit­tä­ter­schaft­li­ches Han­deln.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Febru­ar 2019 – 4 StR 22/​19

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 07.06.2017 – 4 StR 128/​17; Urtei­le vom 14.12 2006 – 4 StR 421/​06, NStZ 2007, 288; vom 28.02.2007 – 2 StR 516/​06, BGHSt 51, 219, 221[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 14.12 2006, aaO mwN[]
  3. vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 07.06.2017 – 4 StR 128/​17; und vom 22.08.2012 – 4 StR 272/​12, NStZ-RR 2012, 375 mwN; BGH, Urteil vom 28.02.2007 – 2 StR 516/​06, BGHSt 51, 219, 222[]
  4. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 26.07.2016 – 3 StR 195/​16, NStZ-RR 2017, 84, 85[]