Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen an einer Delikt­se­rie – und die Fra­ge der Tat­ein­heit

Sind meh­re­re Per­so­nen an einer Delikt­se­rie betei­ligt, so ist bei der Bewer­tung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses für jeden Täter oder Teil­neh­mer geson­dert zu prü­fen und zu ent­schei­den, ob die ein­zel­nen Straf­ta­ten der Serie in sei­ner Per­son tat­ein­heit­lich oder tat­mehr­heit­lich zusam­men­tref­fen.

Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen an einer Delikt­se­rie – und die Fra­ge der Tat­ein­heit

Maß­geb­lich ist hier­bei der Umfang des Tat­bei­tra­ges bzw. der Tat­bei­trä­ge des Betei­lig­ten.

Erfüllt er hin­sicht­lich aller oder ein­zel­ner Taten der Serie sämt­li­che Tat­be­stands­merk­ma­le in eige­ner Per­son oder leis­tet er für alle oder eini­ge Ein­zel­ta­ten zumin­dest einen indi­vi­du­el­len, nur je die­se för­dern­den Tat­bei­trag, so sind ihm die­se Taten, soweit nicht natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt, als tat­mehr­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen.

Erbringt er dage­gen im Vor­feld oder wäh­rend des Laufs der Delikt­se­rie Tat­bei­trä­ge, durch die alle oder je meh­re­re Ein­zel­de­lik­te der Tat­ge­nos­sen gleich­zei­tig geför­dert wer­den, so sind ihm die je gleich­zei­tig geför­der­ten ein­zel­nen Straf­ta­ten als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in sei­ner Per­son durch den jewei­li­gen ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wer­den.

Ob die ande­ren Betei­lig­ten die ein­zel­nen Delik­te nach obi­gen Grund­sät­zen gege­be­nen­falls tat­mehr­heit­lich began­gen haben, ist dem­ge­gen­über ohne Bedeu­tung 1.

Erschöp­fen sich die Tat­bei­trä­ge im Auf­bau und der Auf­recht­erhal­tung des auf die Straf­ta­ten aus­ge­rich­te­ten "Geschäfts­be­trie­bes", sind die­se Tat­hand­lun­gen als – unei­gent­li­ches – Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt zu einer ein­heit­li­chen Tat im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB zusam­men­zu­fas­sen 2.

Für die kon­kur­renz­recht­li­che Beur­tei­lung der Taten des Täters oder Teil­neh­mers kommt es dabei nicht dar­auf an, ob die ande­ren Betei­lig­ten, die die tat­be­stand­li­chen Aus­füh­rungs­hand­lun­gen vor­neh­men, (Mit)Täter oder Gehil­fen sind oder ob es sich um gut­gläu­bi­ge Werk­zeu­ge han­delt 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2016 – 3 StR 302/​16

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 182 f.; Beschlüs­se vom 07.12 2010 – 3 StR 434/​10; vom 18.10.2011 – 4 StR 346/​11[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 14.10.2014 – 3 StR 365/​14, NStZ 2015, 334 mwN; vom 23.07.2015 – 3 StR 518/​14, NStZ-RR 2015, 341 f.[]
  3. vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 263 Rn.203; S/S‑­Stern­berg-Lie­ben/Bosch, StGB, 29. Aufl., § 52 Rn.20 f.[]