Betrug – ban­den­mä­ßig, gewerbs­mä­ßig

Qua­li­fi­ziert ist ein Betrug, wenn er sowohl ban­den­mä­ßig als auch gewerbs­mä­ßig began­gen wur­de (§ 263 Abs. 5 StGB); liegt nur eines die­ser Merk­ma­le vor, han­delt es sich um ein Regel­bei­spiel für einen beson­ders schwe­ren Fall des Betrugs (§ 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 StGB).

Betrug – ban­den­mä­ßig, gewerbs­mä­ßig

Gewerbs­mä­ßig­keit liegt vor, wenn der Täter in der Absicht han­delt, sich durch wie­der­hol­te Tat­be­ge­hung eine fort­lau­fen­de Ein­nah­me­quel­le von eini­ger Dau­er und eini­gem Umfang zu ver­schaf­fen. Liegt die­se Absicht vor, ist bereits die ers­te Tat als gewerbs­mä­ßig began­gen ein­zu­stu­fen 1. Dar­auf, ob die Ansicht rea­li­siert wird, kommt es nicht an.

Ban­den­mä­ßig im Sin­ne des § 263 Abs. 5 StGB han­delt, wer den Betrug als Mit­glied einer Ban­de begeht, die sich zur fort­ge­setz­ten Bege­hung von Straf­ta­ten nach den §§ 263 bis 264 oder 267 bis 269 StGB ver­bun­den hat. Eine Ban­de ist gege­ben, wenn sich min­des­tens drei Per­so­nen mit dem Wil­len zusam­men­ge­schlos­sen haben, im Ein­zel­nen noch unge­wis­se Straf­ta­ten der genann­ten Art zu bege­hen. Ein gefes­tig­ter Ban­den­wil­le oder ein Tätig­wer­den in einem über­ge­ord­ne­ten Ban­den­in­ter­es­se ist nicht erfor­der­lich 2.

Aller­dings hat die blo­ße Ver­bin­dung zu einer Ban­de nicht zur Fol­ge, dass jeder Betrug dem Täter als ban­den­mä­ßig began­ge­ne Straf­tat anzu­las­ten ist. Viel­mehr ist nach all­ge­mei­nen Kri­te­ri­en fest­zu­stel­len, ob sich Ban­den­mit­glie­der hier­an als Täter, Anstif­ter oder Gehil­fen betei­ligt oder kei­nen Bei­trag dazu geleis­tet haben 3.

Eine Band­en­tat liegt aller­dings schon vor, wenn an einem Ein­ge­hungs­be­trug nur ein Ban­den­mit­glied bei der Täu­schungs­hand­lung mit­ge­wirkt hat, wäh­rend ande­re Ban­den­mit­glie­der ihre Tat­bei­trä­ge im Hin­ter­grund geleis­tet haben 4.

Die für das Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­mal bestim­men­de Orga­ni­sa­ti­ons­ge­fahr besteht selbst dann, wenn nach einem Ein­ge­hungs­be­trug durch ein Ban­den­mit­glied ande­re Ban­den­mit­glie­der für die Ver­wer­tung der betrü­ge­risch erlang­ten Sache Sor­ge tra­gen sol­len und dies vor­ab als ihr Tat­bei­trag vor­ge­se­hen war.

Der Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand des § 263 Abs. 5 StGB setzt nicht vor­aus, dass meh­re­re Betei­lig­te bereits bei der Täu­schung eines ande­ren unmit­tel­bar mit­wir­ken 5.

Vor­aus­zu­set­zen für die Fest­stel­lung einer Ban­den­ab­re­de oder einer Band­en­tat ist nur, dass die Zuge­hö­rig­keit von min­des­tens drei Per­so­nen zur Ban­de und die Mit­wir­kung von Ban­den­mit­glie­dern als Täter oder Betei­lig­te an der jewei­li­gen Tat fest­steht 6.

Ein Ban­den­mit­glied muss die wei­te­ren Ban­den­mit­glie­der nicht per­sön­lich ken­nen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. August 2016 – 2 StR 579/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 181[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 16.11.2006 – 3 StR 204/​06, NStZ 2007, 269[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 14.11.2012 – 3 StR 403/​12[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 22.03.2001 – GSSt 1/​00, BGHSt 46, 321, 332 ff.[]
  5. vgl. Fischer, StGB, 63. Aufl., § 263 Rn. 211[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 22.03.2001 – GSSt 1/​00, BGHSt 46, 321, 328 ff.[]