Betrug beim Lea­sing­ver­trag – und der Ver­mö­gens­scha­den

Ein Ver­mö­gens­scha­den im Sin­ne des § 263 Abs. 1 StGB tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung unmit­tel­bar zu einer nicht durch Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt1.

Betrug beim Lea­sing­ver­trag – und der Ver­mö­gens­scha­den

Für die zur Scha­dens­be­stim­mung erfor­der­li­che Gesamt­sal­die­rung ist bei dem Abschluss eines Lea­sing­ver­tra­ges der Geld­wert des vom Lea­singe­ber erwor­be­nen Anspruchs auf die vom Lea­sing­neh­mer zu leis­ten­den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Lea­sing­ra­ten unter Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Aus­fall­ri­si­kos zu bewer­ten und mit dem Geld­wert der ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung durch den Lea­sing­ge­ber zu ver­glei­chen2.

Gemes­sen dar­an muss erör­tert und beur­teilt wer­den, ob der Bank durch den Abschluss des Lea­sing­ver­tra­ges Ansprü­che zuge­flos­sen sind, die geeig­net waren, die Ver­pflich­tung zur Zah­lung des Kauf­prei­ses für das zu erwer­ben­de Fahr­zeug aus­zu­glei­chen.

Gegen eine voll­stän­di­ge Kom­pen­sa­ti­on könn­te im hier ent­schie­den Fall spre­chen, dass der Audi Bank als Lea­sing­ge­be­rin mit M. ledig­lich ein Schuld­ner zur Ver­fü­gung stand, der über sei­ne Boni­tät durch Vor­la­ge gefälsch­ter Lohn­ab­rech­nun­gen getäuscht hat­te und bei dem es sich ledig­lich um "eine Art Stroh­mann" des Ange­klag­ten han­del­te. Dies könn­te ? auch bei fort­be­stehen­dem Eigen­tum am Lea­sing­gut und der Zah­lungs­be­reit­schaft des gegen­über dem Lea­sing­un­ter­neh­men nicht ver­pflich­te­ten Ange­klag­ten ? zu einem erhöh­ten Aus­fall­ri­si­ko, damit zu einer Abwer­tung des Nomi­nal­werts der For­de­rung und somit, im Ver­gleich zum Geld­wert der von der Lea­sing­ge­be­rin ein­ge­gan­gen Ver­pflich­tung, zu einem Scha­den auf deren Sei­te füh­ren3.

Der fest­ge­stell­te Wil­le des Ange­klag­ten die von M. gegen­über dem Finan­zie­rungs­in­sti­tut geschul­de­ten Lea­sing­ra­ten zumin­dest bis Novem­ber 2015 aus­zu­glei­chen, steht dem mög­li­chen Ein­tritt eines Ver­mö­gens­scha­dens nicht ent­ge­gen. Die ein­zel­nen Zah­lun­gen stel­len sich, auch wenn der Vor­satz des Ange­klag­ten von Anfang an hier­auf gerich­tet war, als blo­ße Scha­dens­wie­der­gut­ma­chung dar4. Denn die­se sind kein unmit­tel­bar aus der inkri­mi­nier­ten Ver­mö­gens­ver­fü­gung resul­tie­ren­der Ver­mö­gens­zu­wachs5, son­dern ? im Ver­hält­nis zur Lea­sing­ge­be­rin ? frei­wil­li­ge Leis­tun­gen eines Drit­ten6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2018 – 2 StR 291/​18

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 10.08.2017 – 1 StR 573/​16, Stra­Fo 2017, 515 f. mwN []
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 06.04.2018 – 1 StR 13/​18 9; vom 20.12 2017 – 4 StR 66/​17, NStZ-RR 2018, 109, 110; vom 09.03.2017 – 1 StR 350/​16, NStZ 2017, 413, 415; Urteil vom 21.04.2016 – 1 StR 456/​15, NStZ 2016, 674, 675; SSW/​Satzger, StGB, 4. Aufl., § 263 Rn. 283 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 24.03.2016 – 2 StR 344/​14, NStZ-RR 2016, 341, 343; BGH, Beschluss vom 20.12 2017 – 4 StR 66/​17, aaO; vgl. auch Urtei­le vom 04.10.2018 – 3 StR 251/​18 10 f. und 3 StR 283/​18 22 []
  4. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 1980 – 3 StR 410/​80 18; SSW/​Satzger, StGB, 4. Aufl., § 263 Rn. 225 []
  5. vgl. BGH, Urteil vom 04.03.1999 – 5 StR 355/​98, NStZ 1999, 353, 354 []
  6. vgl. LK/​Tiedemann, StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 162; RGSt 41, 24, 26 f. []