Betrug – und der Irr­tum des Ver­fü­gen­den

Da der Betrug­s­tat­be­stand vor­aus­setzt, dass die Ver­mö­gens­ver­fü­gung durch den Irr­tum des Getäusch­ten ver­an­lasst wor­den ist, und das gänz­li­che Feh­len einer Vor­stel­lung für sich allein kei­nen tat­be­stands­mä­ßi­gen Irr­tum begrün­den kann, muss der Tatrich­ter im Urteil mit­tei­len, wie er sich die Über­zeu­gung davon ver­schafft hat, dass der Ver­fü­gen­de einem Irr­tum erle­gen ist [1].

Betrug – und der Irr­tum des Ver­fü­gen­den

Das Vor­lie­gen eines Irr­tums ist Tat­fra­ge. Ob ein betrugs­re­le­van­ter Irr­tum gege­ben ist, ist daher vom Tatrich­ter unter Aus­schöp­fung aller Beweis­mit­tel fest­zu­stel­len [2].

Regel­mä­ßig ist es des­halb erfor­der­lich, die irren­de Per­son zu ermit­teln und in der Haupt­ver­hand­lung über die tat­re­le­van­te Vor­stel­lung zu ver­neh­men.

Aus­nahms­wei­se kann in Fäl­len eines nor­ma­tiv gepräg­ten Vor­stel­lungs­bil­des des Ver­fü­gen­den die Ver­neh­mung weni­ger Zeu­gen genü­gen. Bele­gen deren Anga­ben das Vor­lie­gen eines Irr­tums in den sie betref­fen­den Fäl­len, kann auf die Erre­gung eines Irr­tums auch bei ande­ren Ver­fü­gen­den geschlos­sen wer­den [3].

Ist die Beweis­auf­nah­me auf eine Viel­zahl Geschä­dig­ter zu erstre­cken, besteht zudem die Mög­lich­keit, bereits im Ermitt­lungs­ver­fah­ren durch Fra­ge­bö­gen zu ermit­teln, aus wel­chen Grün­den die Leis­ten­den die ihr Ver­mö­gen schä­di­gen­de Ver­fü­gung vor­ge­nom­men haben und das Ergeb­nis die­ser Erhe­bung in die Haupt­ver­hand­lung ein­zu­füh­ren [4].

Auch aus Indi­zi­en kann auf das Vor­lie­gen eines Irr­tums geschlos­sen wer­den [5].

Aller­dings ist nicht aus­rei­chend, dass die Straf­kam­mer ihre Über­zeu­gung ledig­lich auf Plau­si­bi­li­täts­er­wä­gun­gen stützt. Die Annah­me eines täu­schungs­be­ding­ten Irr­tums und einer dadurch kau­sal her­vor­ge­ru­fe­nen Ver­mö­gens­ver­fü­gung ver­steht sich – mag sie auch nahe­lie­gen – in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on aber den­noch nicht von selbst. Zwar spricht für einen Irr­tum, dass die For­de­rung eine Höhe hat­te, bei der ein durch­schnitt­li­cher Rech­nungs­emp­fän­ger Über­le­gun­gen zum Hin­ter­grund der For­de­rung anstel­len wird. Ande­rer­seits ist aber eben­so denk­bar, dass zahl­rei­che Rech­nungs­emp­fän­ger nur des­halb gezahlt haben, „um ihre Ruhe zu haben“, oder weil sie ein­ge­hen­de Rech­nun­gen stets ohne wei­te­re Über­le­gung beglei­chen [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Febru­ar 2017 – 2 StR 573/​15

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 05.12 2002 – 3 StR 161/​02, NJW 2003, 1198, 1199 f.; vom 22.11.2013 – 3 StR 162/​13, NStZ 2014, 215, 216; vom 22.05.2014 – 4 StR 430/​13, NJW 2014, 2132, 2133[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1993 – 4 StR 347/​93, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Irr­tum 9[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 17.06.2014 – 2 StR 658/​13, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Irr­tum 21[]
  4. BGH, Beschluss vom 06.02.2013 – 1 StR 263/​12, NStZ 2013, 422, 423 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 22.11.2013 – 3 StR 162/​13, NStZ 2014, 215, 216[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 01.10.2015 – 3 StR 102/​15, NStZ-RR 2016, 12, 13[]