Betrug – und der gewerbs­mä­ßig han­deln­de Ange­stell­te

Zwar reicht ein mit­tel­ba­rer Vor­teil des Täters zur Begrün­dung der Gewerbs­mä­ßig­keit nur aus, wenn er ohne Wei­te­res dar­auf zugrei­fen kann oder sich selbst geld­wer­te Vor­tei­le aus den Taten über Drit­te ver­spricht 1.

Betrug – und der gewerbs­mä­ßig han­deln­de Ange­stell­te

Für die Annah­me von Gewerbs­mä­ßig­keit ist aber weder erfor­der­lich, dass der Täter sei­nen Lebens­un­ter­halt allein oder auch nur über­wie­gend durch die Bege­hung von Straf­ta­ten bestrei­ten will 2, noch dass er tat­säch­lich auf die betrü­ge­risch erlang­ten Ver­mö­gens­wer­te zuge­grif­fen hat; denn maß­geb­lich und aus­rei­chend ist eine dahin­ge­hen­de Absicht 3.

Daher rei­chen betrü­ge­risch erlang­te Betriebs­ein­nah­men für den Arbeit­ge­ber zur Begrün­dung gewerbs­mä­ßi­gen Han­delns eines Ange­stell­ten aus, wenn die­se dem Täter mit­tel­bar – etwa über das Gehalt oder Betei­li­gung an Betriebs­ge­win­nen – zuflie­ßen sol­len 4.

Es kommt daher vor­lie­gend nicht dar­auf an, ob das Auto­haus neben den betrü­ge­ri­schen auch über "lega­le Ein­künf­te" ver­füg­te und ob das Gehalt der Ange­stell­ten tat­säch­lich bezahlt wur­de und – falls ja – ob die­se Gel­der aus den betrü­ge­ri­schen Geschäf­ten her­rühr­ten. Die Absicht der – nach den Fest­stel­lun­gen – nicht als fak­ti­sche Geschäfts­füh­re­rin des Auto­hau­ses han­deln­den – Ange­stell­ten, durch die Taten ihre und ihres Ehe­man­nes Exis­tenz zu sichern, genügt viel­mehr.

Hin­sicht­lich des Schuld­spruchs ver­weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf, dass das Vor­lie­gen gesetz­li­cher Regel­bei­spie­le für beson­ders schwe­re oder min­der schwe­re Fäl­le nicht in die Urteils­for­mel auf­zu­neh­men ist und die Kenn­zeich­nung des Betrugs als "gewerbs­mä­ßig" daher ent­behr­lich war 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juni 2015 – 4 StR 21/​15

  1. BGH, Beschlüs­se vom 13.09.2011 – 3 StR 262/​11, StV 2012, 339; vom 26.02.2014 – 4 StR 584/​13, Stra­Fo 2014, 215 jeweils mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 09.03.2011 – 2 StR 609/​10, BGHR StGB § 263 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 Gewerbs­mä­ßig 2[]
  3. BGH, Beschluss vom 07.09.2011 – 1 StR 343/​11, NStZ-RR 2011, 373[]
  4. BGH, Beschluss vom 19.12 2007 – 5 StR 543/​07, NStZ 2008, 282, 283 mwN; SSW-StG­B/­Satz­ger, 2. Aufl., § 263 Rn. 364[]
  5. vgl. etwa BGH, Beschluss vom 18.12 2012 – 3 StR 458/​12[]