Betrug – Ver­trags­schluss, Erfül­lung, Tat­se­rie

Meh­re­re Hand­lun­gen wäh­rend eines Gesamt­ab­laufs, die eben­so wie die ers­te Täu­schung nur auf die Her­bei­füh­rung des vom Täter von vorn­her­ein ins Auge gefass­ten end­gül­ti­gen Erfül­lungs­scha­dens gerich­tet sind, haben recht­lich kei­ne selb­stän­di­ge Bedeu­tung, mag sich der Erfül­lungs­scha­den auch nur in Etap­pen rea­li­sie­ren [1].

Betrug – Ver­trags­schluss, Erfül­lung, Tat­se­rie

So liegt der Fall hier. Das Ver­mö­gen der Geschä­dig­ten war bereits durch den jewei­li­gen Ver­trags­ab­schluss geschä­digt wor­den. Mit der Erbrin­gung der ver­spro­che­nen Leis­tung in jeweils zwei Raten (Erfül­lungs­scha­den) mate­ria­li­sier­te sich der zunächst durch die rein rech­ne­ri­sche Gegen­über­stel­lung der wirt­schaft­li­chen Wer­te der gegen­sei­ti­gen ver­trag­li­chen Ansprü­che zu bestim­men­de Scha­den und bemaß sich – wie vom Land­ge­richt zutref­fend ange­nom­men – nach deren vol­len wirt­schaft­li­chen Wert, da die Gegen­leis­tung völ­lig aus­blieb [2].

Bei einer Delikts­se­rie unter Betei­li­gung meh­re­rer Per­so­nen ist die Fra­ge, ob die ein­zel­nen Taten tat­ein­heit­lich oder tat­mehr­heit­lich zusam­men­tref­fen, für jeden ein­zel­nen Betei­lig­ten geson­dert zu prü­fen und dabei auf sei­nen indi­vi­du­el­len Tat­bei­trag abzu­stel­len. Wirkt ein Täter an ein­zel­nen Taten ande­rer Betei­lig­ter selbst nicht unmit­tel­bar mit, son­dern erschöp­fen sich sei­ne Tat­bei­trä­ge hier­zu im Auf­bau und in der Auf­recht­erhal­tung des auf die Straf­ta­ten aus­ge­rich­te­ten „Geschäfts­be­trie­bes“, sind die­se Tat­hand­lun­gen als unei­gent­li­ches Orga­ni­sa­ti­ons­de­likt zu einer ein­heit­li­chen Tat im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB zusam­men­zu­fas­sen. Als recht­lich selb­stän­di­ge Taten kön­nen dem Mit­tä­ter – soweit kei­ne natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt – nur sol­che Ein­zel­ta­ten der Serie zuge­rech­net wer­den, für die er einen indi­vi­du­el­len, nur je die­se för­dern­den Tat­bei­trag leis­tet [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Juli 2015 – 3 StR 518/​14

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 21.07.1998 – 4 StR 274/​98, NStZ-RR 1999, 110; vom 21.11.2001 – 2 StR 260/​01, BGHSt 47, 160, 168[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 07.12 2010 – 3 StR 434/​10, Stra­Fo 2011, 238, 239; vom 14.04.2011 – 2 StR 616/​10, NStZ 2011, 638, 639; Urteil vom 08.10.2014 – 1 StR 359/​13, NStZ 2015, 89, 91[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschlüs­se vom 14.10.2014 – 3 StR 365/​14, NStZ 2015, 334; vom 17.09.2013 – 3 StR 259/​13 3[]