Betrug – und die Zweifel des Getäuschten bei der Vermögensverfügung

7. November 2017 | Strafrecht
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Ein Irrtum i.S.d. § 263 StGB ist zwar nicht nur gegeben, wenn der Getäuschte von der Gewissheit der behaupteten Tatsache ausgeht, sondern auch dann, wenn er trotz gewisser Zweifel die Vermögensverfügung trifft, wenn er also die Möglichkeit der Unwahrheit für geringer hält1.

Denn der Getäuschte ist im Regelfall des Betrugs schon dann der List des anderen zum Opfer gefallen, wenn er die Vermögensverfügung trotz eines Zweifels vornimmt2.

Zweifel an der Wahrheit sind solange irrelevant, als der Getäuschte die Wahrheit der Tatsache noch für möglich hält und die Vermögensverfügung infolge der Täuschung vornimmt3.

Leichtgläubigkeit des Getäuschten und Erkennbarkeit der Täuschung bei hinreichend sorgfältiger Prüfung sind dagegen für den Irrtum ohne Belang4.

Weiß der Verfügende jedoch positiv – etwa aufgrund kollusiven Zusammenwirkens mit dem Täuschenden – um die Unwahrheit der vorgespiegelten Umstände, so liegt kein Irrtum vor5.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 1 StR 306/16

  1. BGH, Urteil vom 05.12 2002 – 3 StR 161/02, NJW 2003, 1198; Perron in Schönke/Schröder, StGB, 29. Aufl., § 263 Rn. 40
  2. BGH, Urteil vom 08.05.1990 – 1 StR 144/90, wistra 1990, 305; vgl. auch Kühl in Lackner/Kühl, StGB, 28. Aufl., § 263 Rn.19
  3. BGH, Urteil vom 05.12 2002 – 3 StR 161/02, NJW 2003, 1198
  4. BGH, Urteile vom 22.10.1986 – 3 StR 226/86, BGHSt 34, 199; vom 15.10.1991 – 4 StR 420/91, wistra 1992, 95, 97; vom 11.07.2001 – 1 StR 576/00, BGHSt 47, 83; und vom 05.12 2002 – 3 StR 161/02, NJW 2003, 1198
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2013 – 2 StR 474/12, NStZ 2013, 472

 
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