Betrug – und die Zwei­fel des Getäusch­ten bei der Ver­mö­gens­ver­fü­gung

Ein Irr­tum i.S.d. § 263 StGB ist zwar nicht nur gege­ben, wenn der Getäusch­te von der Gewiss­heit der behaup­te­ten Tat­sa­che aus­geht, son­dern auch dann, wenn er trotz gewis­ser Zwei­fel die Ver­mö­gens­ver­fü­gung trifft, wenn er also die Mög­lich­keit der Unwahr­heit für gerin­ger hält 1.

Betrug – und die Zwei­fel des Getäusch­ten bei der Ver­mö­gens­ver­fü­gung

Denn der Getäusch­te ist im Regel­fall des Betrugs schon dann der List des ande­ren zum Opfer gefal­len, wenn er die Ver­mö­gens­ver­fü­gung trotz eines Zwei­fels vor­nimmt 2.

Zwei­fel an der Wahr­heit sind solan­ge irrele­vant, als der Getäusch­te die Wahr­heit der Tat­sa­che noch für mög­lich hält und die Ver­mö­gens­ver­fü­gung infol­ge der Täu­schung vor­nimmt 3.

Leicht­gläu­big­keit des Getäusch­ten und Erkenn­bar­keit der Täu­schung bei hin­rei­chend sorg­fäl­ti­ger Prü­fung sind dage­gen für den Irr­tum ohne Belang 4.

Weiß der Ver­fü­gen­de jedoch posi­tiv – etwa auf­grund kol­lu­si­ven Zusam­men­wir­kens mit dem Täu­schen­den – um die Unwahr­heit der vor­ge­spie­gel­ten Umstän­de, so liegt kein Irr­tum vor 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Mai 2017 – 1 StR 306/​16

  1. BGH, Urteil vom 05.12 2002 – 3 StR 161/​02, NJW 2003, 1198; Per­ron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 263 Rn. 40[]
  2. BGH, Urteil vom 08.05.1990 – 1 StR 144/​90, wis­tra 1990, 305; vgl. auch Kühl in Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 263 Rn.19[]
  3. BGH, Urteil vom 05.12 2002 – 3 StR 161/​02, NJW 2003, 1198[]
  4. BGH, Urtei­le vom 22.10.1986 – 3 StR 226/​86, BGHSt 34, 199; vom 15.10.1991 – 4 StR 420/​91, wis­tra 1992, 95, 97; vom 11.07.2001 – 1 StR 576/​00, BGHSt 47, 83; und vom 05.12 2002 – 3 StR 161/​02, NJW 2003, 1198[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 13.03.2013 – 2 StR 474/​12, NStZ 2013, 472[]