Beweis­an­trag – und sei­ne Ableh­nung

Maß­ge­ben­des Kri­te­ri­um bei der Ableh­nung eines Beweis­an­trags ist, ob die Auf­klä­rungs­pflicht die Erhe­bung der bean­trag­ten Bewei­se erfor­dert 1.

Beweis­an­trag – und sei­ne Ableh­nung

Bei deren Prü­fung hat das Tat­ge­richt nament­lich die Bedeu­tung und den Beweis­wert der Aus­sa­ge des benann­ten Zeu­gen vor dem Hin­ter­grund des bis­he­ri­gen Beweis­ergeb­nis­ses zu wür­di­gen; es ist bei die­ser Prü­fung auch vom Ver­bot der Beweis­an­ti­zi­pa­ti­on befreit 2.

Die Straf­kam­mer darf dabei den zu erwar­ten­den Beweis­wert der Aus­sa­ge des Zeu­gen vor dem Hin­ter­grund des bis­he­ri­gen Beweis­ergeb­nis­ses wür­di­gen.

Dabei ist aller­dings den beson­de­ren Umstän­den des Sach­ver­halts und der Beweis­la­ge Rech­nung zu tra­gen.

Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn es sich, wie im hier ent­schie­de­nen Fall, bei dem benann­ten Aus­lands­zeu­gen, der sich in sei­nem Schrei­ben an das Tat­ge­richt als "schul­dig für die Pro­ble­me" bekannt hat, mög­li­cher­wei­se um den ein­zi­gen zur Ver­fü­gung ste­hen­den unmit­tel­ba­ren Tat- und Ent­las­tungs­zeu­gen hin­sicht­lich der ange­klag­ten Dieb­stahlsta­ten han­delt und die Beweis­la­ge im Übri­gen auch nicht der­art gesi­chert ist, dass die Straf­kam­mer sich zum Ver­such wei­te­rer Auf­klä­rung durch sei­ne zeu­gen­schaft­li­che Ein­ver­nah­me nicht hät­te gedrängt sehen müs­sen 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juli 2016 – 2 StR 383/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 19.01.2010 – 3 StR 451/​09 –, BGHR StPO § 244 Abs. 5 Satz 2 Aus­lands­zeu­ge 15 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2006 – 3 StR 374/​06, BGHR StPO § 244 Abs. 5 Satz 2 Aus­lands­zeu­ge 13; BGH, Urteil vom 18.01.1994 – 1 StR 745/​93, BGHSt 40, 60[]
  3. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 28.01.2010 – 3 StR 274/​09, BGHSt 55, 11, 23[]