Beweis­wür­di­gung – und die Gesamt­wür­di­gung aller Erkennt­nis­se

Ist eine Viel­zahl ein­zel­ner Erkennt­nis­se ange­fal­len, so ist eine Gesamt­wür­di­gung vor­zu­neh­men 1. Erst sie ent­schei­det letzt­lich dar­über, ob der Rich­ter die Über­zeu­gung von der Schuld des Ange­klag­ten und den sie tra­gen­den Fest­stel­lun­gen gewinnt.

Beweis­wür­di­gung – und die Gesamt­wür­di­gung aller Erkennt­nis­se

Auch wenn kei­ne der Indi­z­tat­sa­chen für sich allein zum Nach­weis der Täter­schaft des Ange­klag­ten aus­rei­chen wür­de, besteht die Mög­lich­keit, dass sie in ihrer Gesamt­schau dem Tatrich­ter die ent­spre­chen­de Über­zeu­gung ver­mit­teln.

Beweis­an­zei­chen kön­nen näm­lich in einer Gesamt­schau wegen ihrer Häu­fung und gegen­sei­ti­gen Durch­drin­gung die Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit eines Vor­wurfs begrün­den 2.

Der Beweis­wert ein­zel­ner Indi­zi­en ergibt sich zudem regel­mä­ßig erst aus dem Zusam­men­hang mit ande­ren Indi­zi­en, wes­halb der Inbe­zug­set­zung der Indi­zi­en zuein­an­der im Rah­men der Gesamt­wür­di­gung beson­de­res Gewicht zukommt.

Die­sen Anfor­de­run­gen wird eine Beweis­wür­di­gung nicht gerecht, in der, statt die Indi­zi­en mit ihrem jewei­li­gen Beweis­wert in die Gesamt­wür­di­gung ein­zu­stel­len, den ein­zel­nen Umstän­den ins­ge­samt einen belas­ten­den Beweis­wert mit der Begrün­dung abge­spro­chen wird, die­se sei­en kei­ne "siche­ren", "ein­deu­tig belas­ten­den" oder "zwei­fels­frei belas­ten­den" Indi­zi­en für die Täter­schaft des Ange­klag­ten. Damit wur­den rechts­feh­ler­haft ein­zel­ne Beweis­ergeb­nis­se als "nicht ein­deu­tig belas­ten­de" Indi­zi­en aus der Beweis­wür­di­gung vor­schnell aus­ge­schie­den, anstatt die ein­zel­nen Beweis­an­zei­chen mit dem ihnen zukom­men­den Gewicht, also mit den ihnen inne­woh­nen­den belas­ten­den und ent­las­ten­den Aspek­ten, in Bezie­hung zu set­zen und im Zusam­men­hang mit ande­ren Beweis­an­zei­chen zu bewer­ten. Statt einer umfas­sen­den Wür­di­gung aller im Urteil dar­ge­leg­ten Beweis­ergeb­nis­se bestä­tigt die­se Vor­ge­hens­wei­se ledig­lich das zuvor bei den Ein­zel­in­di­zi­en gefun­de­ne Ergeb­nis, indem sie dar­auf ver­weist, dass "wie sich ergab und aus­ge­führt wur­de", kei­ne wesent­li­chen Gesichts­punk­te gefun­den wer­den konn­ten, wel­che den Ange­klag­ten ein­deu­tig belas­te­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Dezem­ber 2015 – 1 StR 292/​15

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2002 – 1 StR 513/​01, NJW 2002, 2188, 2189[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.2002 – 1 StR 513/​01, NJW 2002, 2188, 2189[]