Beweis­wür­di­gung – und die Revi­si­on

Die Beweis­wür­di­gung ist ori­gi­nä­re Sache des Tatrich­ters (§ 261 StPO). Allein ihm obliegt es, die Ergeb­nis­se der Haupt­ver­hand­lung fest­zu­stel­len und abschlie­ßend zu wür­di­gen.

Beweis­wür­di­gung – und die Revi­si­on

Sei­ne Schluss­fol­ge­run­gen müs­sen nicht zwin­gend sein. Es genügt, dass sie mög­lich sind1.

Das Revi­si­ons­ge­richt ist auf die Prü­fung beschränkt, ob die Beweis­wür­di­gung des Tat­ge­richts mit Rechts­feh­lern behaf­tet ist, weil sie Lücken oder Wider­sprü­che auf­weist, mit Denk­ge­set­zen oder gesi­cher­tem Erfah­rungs­wis­sen nicht über­ein­stimmt oder sich so weit von einer Tat­sa­chen­grund­la­ge ent­fernt, dass sich die gezo­ge­nen Schluss­fol­ge­run­gen letzt­lich als rei­ne Ver­mu­tung erwei­sen2. Zudem bedür­fen die tatrich­ter­li­chen Fest­stel­lun­gen einer trag­fä­hi­gen Beweis­grund­la­ge3.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall das ange­grif­fe­ne Urteil nicht gerecht. Die Fest­stel­lung des Land­ge­richts, der Ange­klag­te habe bei den ver­stüm­meln­den Schnit­ten sein Opfer ohne Tötungs­vor­satz nur noch kör­per­lich ver­let­zen wol­len, ist nicht trag­fä­hig belegt.

Der allein von der Straf­kam­mer ange­führ­te Umstand, dass „es all­ge­mein bekannt ist, dass der­ar­ti­ge Augen- und Ohren­ver­let­zun­gen nicht ohne Wei­te­res zum Tode eines Men­schen füh­ren kön­nen”, was dem Ange­klag­ten bewusst gewe­sen sei, lässt kei­nen Rück­schluss auf die Auf­ga­be oder den Fort­be­stand des vor­mals gefass­ten Tötungs­vor­sat­zes zu. Denn die Annah­me, dass die Schnit­te an den Augen­li­dern und Ohren nicht töd­lich sein wür­den, besagt nichts zu der Fra­ge, was das hand­lungs­lei­ten­de Motiv des Ange­klag­ten war und wel­ches Vor­stel­lungs­bild er ins­ge­samt hat­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. April 2018 – 2 StR 551/​17

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 12.02.2015 – 4 StR 420/​14, NStZ-RR 2015, 148 mwN
  2. vgl. BGH, Urteil vom 12.01.2017 – 1 StR 360/​16, BeckRS 2017, 104320; Urteil vom 21.03.2013 – 3 StR 247/​12, NStZ 2013, 420, 421 mwN
  3. st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 05.12 2017 – 4 StR 513/​17 2; KK-Ott, StPO, 7. Aufl., § 261 Rn. 84