Bewer­tungs­ein­heit und Tat­ein­heit beim BTM-Han­del

Eine Bewer­tungs­ein­heit kann sich dar­aus erge­ben, dass der Täter sich einen zum Ver­kauf bestimm­ten Ver­kaufs­vor­rat beschafft oder dar­über ver­fügt 1.

Bewer­tungs­ein­heit und Tat­ein­heit beim BTM-Han­del

Bereits mit dem Beschaf­fen der dem spä­te­ren Güter­um­satz die­nen­den ein­heit­li­chen Rausch­gift­men­ge ist der Tat­be­stand des Han­del­trei­bens in Bezug auf die Gesamt­men­ge erfüllt.

Zu die­ser Tat gehö­ren dann auch alle spä­te­ren Betä­ti­gun­gen, die auf den Ver­trieb des­sel­ben Rausch­gifts gerich­tet sind 2. Auf die zahl­rei­chen Ein­zel­ver­käu­fe kommt es daher nicht an. Dies gilt unab­hän­gig von der Zahl der Abneh­mer 3 und auch dann, wenn sich der ein­heit­li­che Erwerbs­vor­gang auf ver­schie­de­ne Betäu­bungs­mit­tel­ar­ten bezieht, so dass auch in einem sol­chen Fall Bewer­tungs­ein­heit zwi­schen dem Erwerb und der suk­zes­si­ven Abga­be der unter­schied­li­chen Betäu­bungs­mit­tel besteht 4.

Das wie­der­hol­te Auf­fül­len eines Betäu­bungs­mit­tel­vor­rats führt grund­sätz­lich nicht zur Ver­klam­me­rung der Erwerbs­ak­te zu einer Bewer­tungs­ein­heit 5. Der blo­ße Umstand, dass bei jedem Neu­kauf noch Res­te der vor­an­ge­gan­ge­nen Lie­fe­rung vor­han­den waren, die mit dem neu­erwor­be­nen Rausch­gift ver­mischt wur­den, ver­bin­det nicht sämt­li­che Ankäu­fe zu einer ein­heit­li­chen Vor­rats­men­ge 6.

Dies gilt selbst dann, wenn die ein­zel­nen Por­tio­nen von einem – hier nach den Fest­stel­lun­gen unbe­kann­ten – Lie­fe­ran­ten erwor­ben wor­den waren, und die­ser sie sei­ner­seits aus einem ein­heit­li­chen Vor­rat ent­nom­men hat 7.

Allein der gleich­zei­ti­ge Besitz meh­re­rer Dro­gen­men­gen ver­bin­det die hier­auf bezo­ge­nen Hand­lun­gen nicht zu einer Tat des uner­laub­ten Han­del­trei­bens 8.

Dar­über hin­aus ist aber zu beach­ten, dass meh­re­re Taten des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln – unab­hän­gig vom Vor­lie­gen einer Bewer­tungs­ein­heit – zuein­an­der dann in Tat­ein­heit im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ste­hen, wenn ihre tat­be­stand­li­chen Aus­füh­rungs­hand­lun­gen sich – teil­wei­se – über­schnei­den 9. Da das Vor­hal­ten einer Han­dels­men­ge zum Ver­trieb als Teil­akt des Han­del­trei­bens anzu­se­hen ist, ver­mag der gleich­zei­ti­ge Besitz zwei­er für den Ver­kauf bestimm­ter Vor­rä­te jeden­falls dann Tat­ein­heit in die­sem Sin­ne zu begrün­den, wenn die Art und Wei­se der Besitz­aus­übung über eine blo­ße Gleich­zei­tig­keit hin­aus­geht und die Wer­tung recht­fer­tigt, dass – etwa wegen eines räum­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hangs 10 – die tat­säch­li­che Aus­übung des Besit­zes über die eine Men­ge zugleich die Aus­übung der tat­säch­li­chen Ver­fü­gungs­ge­walt über die ande­re dar­stellt 11.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juni 2019 – 2 StR 287/​18

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 24.01.2017 – 3 StR 487/​16, NStZ 2017, 711, 712[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 14.02.2007 – 3 StR 459/​06, StV 2007, 562; BGH, Beschluss vom 11.03.1998 – 2 StR 22/​98, NStZ 1998, 360; Patzak in Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 9. Aufl., § 29 Teil 4, Rn. 309 mwN[]
  3. BGH, Beschluss vom 30.01.2001 – 4 StR 581/​00, StV 2002, 235[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 26.07.2001 – 4 StR 110/​01, NStZ-RR 2002, 52; vom 11.01.2012 – 5 StR 445/​11, NStZ-RR 2012, 121; sie­he auch BGH, Beschluss vom 20.02.2008 – 2 StR 619/​07, NStZ 2008, 470[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 21.08.2012 – 2 StR 277/​12, NStZ 2013, 48, unter Auf­ga­be sei­ner frü­he­ren Recht­spre­chung[]
  6. BGH, Beschluss vom 29.06.2016 – 2 StR 586/​15, NStZ-RR 2016, 345[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2010 – 1 StR 587/​09, NStZ-RR 2011, 25, 26[]
  8. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 20.02.2008 – 2 StR 619/​07, NStZ 2008, 470[]
  9. BGH, Beschluss vom 28.05.2018 – 3 StR 88/​18 Rn. 7 mwN[]
  10. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2017 – GSSt 4/​17, BGHSt 63, 1; Urteil vom 02.04.2015 – 3 StR 642/​14 Rn. 7 f.[]
  11. BGH, Beschluss vom 28.05.2018 – 3 StR 88/​18 Rn. 7; Urteil vom 02.04.2015 – 3 StR 642/​14 Rn. 7 mwN; LK/​Rissingvan Saan, StGB, 12. Aufl., Vor §§ 52 ff. Rn. 43; Weber, BtMG, 5. Aufl., Vor §§ 29 ff. Rn. 628 ff.[]