Bom­ben am Hin­du­kusch und die deut­sche Straf­jus­tiz

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat einen Antrag als unzu­läs­sig ver­wor­fen, mit dem erreicht wer­den soll­te, Oberst Klein und Haupt­feld­we­bel Wil­helm wegen der Fol­gen eines Luft­an­griffs im Sep­tem­ber 2009 in der Nähe von Kun­duz straf­recht­lich zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen.

Bom­ben am Hin­du­kusch und die deut­sche Straf­jus­tiz

In der Nacht vom 3. auf den 4. Sep­tem­ber 2009 ver­an­lass­te Oberst Klein als mili­tä­ri­scher Lei­ter des Pro­vinz-Wie­der­auf­bau­teams (PRT) in Kunduz/​Afgha­ni­stan einen Luft­an­griff auf zwei Tank­last­wa­gen, die von bewaff­ne­ten Tali­ban ent­führt wor­den waren und auf einer Sand­bank im Fluss Kun­duz fest­steck­ten. Die­ser Luft­schlag, an dem Haupt­feld­we­bel Wil­helm als Flie­ger­leit­of­fi­zier (JTAC = Joint Ter­mi­nal Attack Con­trol­ler) des PRT Kun­duz mit­wirk­te, führ­te zu einer Viel­zahl von Todes­op­fern, auch unter der Zivil­be­völ­ke­rung.

Die Bun­des­an­walt­schaft hat­te am 16. April 2010 das Ermitt­lungs­ver­fah­ren gegen Oberst Klein und Haupt­feld­we­bel Wil­helm gemäß § 170 Abs. 2 StPO ein­ge­stellt und dabei eine Straf­bar­keit sowohl nach dem Völ­ker­straf­ge­setz­buch als auch nach dem Straf­ge­setz­buch ver­neint.

Der Antrag­stel­ler, der nach sei­nem Vor­trag bei dem Luft­an­griff zwei sei­ner Söh­ne ver­lo­ren haben soll, hat sich im Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­ren gegen die Ein­stel­lung gewandt und die Anord­nung der Erhe­bung der öffent­li­chen Kla­ge wegen Mor­des bean­tragt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ent­schied jedoch, dass der Antrag nicht den Form­erfor­der­nis­sen des Kla­ge­er­zwin­gungs­ver­fah­rens genügt, und den Antrag daher als unzu­läs­sig ver­wor­fen. So müs­se ein Kla­ge­er­zwin­gungs­an­trag alle die für eine Ankla­ge­er­he­bung erfor­der­li­chen, be- und ent­las­ten­den Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel voll­stän­dig, geord­net und aus sich her­aus ver­ständ­lich dar­stel­len (§ 172 Absatz 3 Satz 1 StPO). Die Sach­dar­stel­lung kann nach Auf­fas­sung des Senats auch nicht durch eine Bezug­nah­me auf Ermitt­lungs­ak­ten oder Anla­gen ersetzt wer­den. Der Sach­vor­trag sei hier jedoch unvoll­stän­dig und teil­wei­se wider­sprüch­lich, Unter­la­gen zum Teil nur frag­men­ta­risch wie­der­ge­ge­ben wor­den. Auch habe der Antrag sich nach Über­zeu­gung des Senats nicht oder nicht aus­rei­chend mit dem Ein­stel­lungs­be­scheid der Bun­des­an­walt­schaft und den dort genann­ten Beweis­mit­teln aus­ein­an­der­ge­setzt. Der Antrag­stel­ler habe sich etwa hin­sicht­lich der Aus­wer­tung der Video­auf­zeich­nun­gen der F15-Kampf­flug­zeu­ge nur pau­schal geäu­ßert, ohne über­haupt auf die Beweis­wür­di­gung der Bun­des­an­walt­schaft ein­zu­ge­hen.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Beschluss vom 16. Febru­ar 2011 – III-5 StS 6/​10