Brand­stif­tung im Haus des Soh­nes – zur Erlan­gung der Versicherungsleistung

Ein Vater, der bei der Brand­le­gung im Hau­se sei­nes Soh­nes in der Absicht han­del­te, betrü­ge­risch unbe­rech­tig­te Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen zu erlan­gen (§ 306b Abs. 2 Nr. 2 Alt. 1 StGB), kann ins­be­son­de­re Reprä­sen­tant im ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sin­ne sein.

Brand­stif­tung im Haus des Soh­nes – zur Erlan­gung der Versicherungsleistung

Dies hat zur Fol­ge, dass sich sein Sohn, der als Ver­si­che­rungs­neh­mer das Gebäu­de gegen Feu­er ver­si­chert hat­te und nicht selbst in die Tat­be­ge­hung invol­viert war, die vor­sätz­li­che Her­bei­füh­rung des Ver­si­che­rungs­falls durch sei­nen Vater nach § 81 Abs. 1 VVG zurech­nen las­sen musste.

Reprä­sen­tant im ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sin­ne ist, wer in dem Geschäfts­be­reich, zu dem das ver­si­cher­te Risi­ko gehört, auf­grund eines Ver­tre­tungs- oder ähn­li­chen Ver­hält­nis­ses an die Stel­le des Ver­si­che­rungs­neh­mers getre­ten ist und die Risi­ko­ver­wal­tung über­nom­men hat [1]. Hier­zu zählt der fak­ti­sche Inha­ber eines Betriebs, der nur for­mal die Unter­neh­mens­füh­rung einem Drit­ten über­tra­gen hat [2].

Gemes­sen dar­an war in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der ange­klag­te Vater Reprä­sen­tant im ver­si­che­rungs­recht­li­chen Sinn. Nach den Fest­stel­lun­gen erfolg­te die Ein­set­zung des Soh­nes als Geschäfts­füh­rer der Spie­lothek nur „auf dem Papier“. Der Vater führ­te die Geschäf­te allei­ne und war hier­für regel­mä­ßig wöchent­lich mehr­mals vor Ort. Er traf alle wesent­li­chen unter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dun­gen, war über alle Vor­gän­ge infor­miert und ent­schied über die Ver­wen­dung der Ein­nah­men. Er war auch Mie­ter der Räum­lich­kei­ten. Gegen­über der Feu­er­ver­si­che­rung trat er als maß­geb­li­cher Ver­hand­lungs­part­ner auf und küm­mer­te sich kurz vor der Tat um die Bezah­lung einer rück­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­prä­mie, damit der Ver­si­che­rungs­schutz nicht ent­fiel. Nach der Tat mel­de­te er den Brand der Ver­si­che­rung und nahm an einem Orts­ter­min zur Scha­dens­be­sich­ti­gung teil. Damit hat­te er als fak­ti­scher Inha­ber der Spie­lothek die Risi­ko­ver­wal­tung des ver­si­cher­ten Gebäu­des übernommen.

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Pflichtverteidiger und Wahlverteidiger - und die Kostenerstattung

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2020 – 4 StR 626/​19

  1. vgl. BGH, Urteil vom 21.04.1993 – – IV ZR 34/​92, BGHZ 122, 250, 253; Beschlüs­se vom 15.03.2007 – 3 StR 454/​06, BGHSt 51, 236, 238 f.; vom 05.07.2016 – 4 StR 512/​15, NStZ 2017, 290, 291; Prölss/​Martin, VVG, 30. Aufl., § 28 Rn. 99[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.06.1991 – – IV ZR 169/​90, NJW-RR 1991, 1307; Prölss/​Martin, VVG, 30. Aufl., § 28 Rn. 121[]

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