Brand­stif­tung – und der beding­te Tötungs­vor­satz

Beding­ter Tötungs­vor­satz ist gege­ben, wenn der Täter den Tod als mög­li­che, nicht ganz fern­lie­gen­de Fol­ge sei­nes Han­delns erkennt (Wis­sens­ele­ment) und dies bil­ligt oder sich um des erstreb­ten Zie­les wil­len zumin­dest mit dem Ein­tritt des Todes abfin­det, mag ihm der Erfolgs­ein­tritt auch gleich­gül­tig oder an sich uner­wünscht sein (Wil­lens­ele­ment).

Brand­stif­tung – und der beding­te Tötungs­vor­satz

Bei­de Ele­men­te des beding­ten Vor­sat­zes müs­sen in jedem Ein­zel­fall umfas­send geprüft und gege­be­nen­falls durch tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen belegt wer­den1. Ihre Beja­hung oder Ver­nei­nung kann nur auf der Grund­la­ge einer Gesamt­be­trach­tung aller objek­ti­ven und sub­jek­ti­ven Umstän­de des Ein­zel­falls erfol­gen2, in wel­che ins­be­son­de­re die objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung, die kon­kre­te Angriffs­wei­se des Täters, sei­ne psy­chi­sche Ver­fas­sung bei der Tat­be­ge­hung und sei­ne Moti­va­ti­ons­la­ge ein­zu­be­zie­hen sind3.

Im Rah­men der vor­zu­neh­men­den Gesamt­schau stellt die auf der Grund­la­ge der dem Täter bekann­ten Umstän­de zu bestim­men­de objek­ti­ve Gefähr­lich­keit der Tat­hand­lung einen wesent­li­chen Indi­ka­tor sowohl für das kogni­ti­ve als auch für das vol­un­ta­ti­ve Vor­satz­ele­ment dar4.

Hat der Täter eine offen­sicht­lich äußerst gefähr­li­che Gewalt­hand­lung began­gen, liegt es – vor­be­halt­lich in die Gesamt­be­trach­tung ein­zu­stel­len­der gegen­läu­fi­ger Umstän­de des Ein­zel­falls – nahe, dass er den Ein­tritt des Todes als mög­li­che Fol­ge sei­nes Tuns erkannt und, indem er gleich­wohl sein gefähr­li­ches Han­deln begon­nen oder fort­ge­setzt hat, den Todes­er­folg auch bil­li­gend in Kauf genom­men hat5.

Gefähr­dungs­vor­satz und Schä­di­gungs­vor­satz haben zwar unter­schied­li­che Bezugs­punk­te6. Da die Gefahr begriff­lich aber nichts ande­res beschreibt als die nahe­lie­gen­de Mög­lich­keit einer Schä­di­gung7, bleibt beim Vor­lie­gen eines auf die Gefahr des Todes bezo­ge­nen Vor­sat­zes kein Raum mehr für die Ver­nei­nung des kogni­ti­ven Ele­ments eines beding­ten Tötungs­vor­sat­zes8. Denn der­je­ni­ge, der die Gefah­ren­la­ge für das Leben ande­rer erkennt und sich mit ihr abfin­det, weiß um die Mög­lich­keit des Ein­tritts eines töd­li­chen Erfolgs9.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 31. Janu­ar 2019 – 4 StR 432/​18

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 01.03.2018 – 4 StR 399/​17 aaO, 1623; vom 07.07.2016 – 4 StR 558/​15, BGHR § 212 Abs. 1 Vor­satz, beding­ter 67 []
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 01.03.2018 – 4 StR 399/​17 aaO, 1623; vom 22.03.2012 – 4 StR 558/​11, BGHSt 57, 183, 186 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2013 – 3 StR 45/​13, NStZ 2013, 581, 582 []
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.07.2016 – 4 StR 558/​15 aaO; vom 16.05.2013 – 3 StR 45/​13 aaO; vom 23.02.2012 – 4 StR 608/​11, NStZ 2012, 443, 444 mwN []
  5. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urtei­le vom 07.07.2016 – 4 StR 558/​15 aaO; vom 01.12 2011 – 5 StR 360/​11, NStZ 2012, 207, 208 mwN []
  6. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.12 1967 – 4 StR 441/​67, BGHSt 22, 67, 73 ff.; vom 24.07.1975 – 4 StR 165/​75, BGHSt 26, 176, 182; vom 12.06.2008 – 4 StR 78/​08, NStZ-RR 2008, 309, 310; vgl. Rad­tke in MKStGB, 3. Aufl., § 306b Rn. 30; Wolff in LKStGB, 12. Aufl., § 306b Rn. 17 []
  7. vgl. BGH, Urteil vom 15.12 1967 – 4 StR 441/​67 aaO, 74 []
  8. vgl. BGH, Urteil vom 15.12 1967 – 4 StR 441/​67 aaO; vom 12.06.2008 – 4 StR 78/​08 aaO []
  9. vgl. Rad­tke, NStZ 2000, 88, 89 []