Brand­stif­tung – und die gleich­ar­ti­ge Ide­al­kon­kur­renz

§ 52 Abs. 1 StGB erfasst auch den Fall, dass das­sel­be Straf­ge­setz durch eine Hand­lung mehr­fach ver­letzt wird (sog. gleich­ar­ti­ge Ide­al­kon­kur­renz).

Brand­stif­tung – und die gleich­ar­ti­ge Ide­al­kon­kur­renz

Ob eine meh­re­re taug­li­che Tat­ob­jek­te beein­träch­ti­gen­de Hand­lung zu einer mehr­ma­li­gen oder ledig­lich zu einer in ihrem Gewicht gestei­ger­ten ein­ma­li­gen Geset­zes­ver­let­zung geführt hat, hängt aber von dem in Rede ste­hen­den Tat­be­stand ab.

Stellt die­ser auf die Ver­let­zung von Gesamt­hei­ten ab und wer­den kei­ne höchst­per­sön­li­chen Rechts­gü­ter geschützt, so führt eine hand­lungs­ein­heit­li­che Beein­träch­ti­gung meh­re­rer Tat­ob­jek­te selbst dann nicht zu einer mehr­fa­chen Ver­wirk­li­chung des Tat­be­stands, wenn ver­schie­de­ne Rechts­guts­trä­ger geschä­digt wor­den sind 1.

So ver­hält es sich auch bei der Brand­stif­tung nach § 306 Abs. 1 StGB 2, die als "qua­li­fi­zier­tes Sach­be­schä­di­gungs­de­likt”, dem auch ein Ele­ment der Gemein­ge­fähr­lich­keit anhaf­tet 3 kei­ne höchst­per­sön­li­chen Rechts­gü­ter schützt.

Danach hat sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Ange­klag­te durch das Inbrand­set­zen des Pkw sei­ner Mut­ter auch mit Rück­sicht auf das gleich­zei­tig für mög­lich gehal­te­ne Über­grei­fen des Feu­ers auf die Gara­ge und den Pkw der Ehe­leu­te T. nur einer (voll­ende­ten) Brand­stif­tung gemäß § 306 Abs. 1 StGB schul­dig gemacht. Dass hier­bei mit der Gara­ge auch ein Tat­ob­jekt betrof­fen war, das § 306 Abs. 1 Nr. 1 StGB (Gebäu­de) unter­fällt, ändert dar­an nichts. Unter den hier gege­be­nen Umstän­den liegt jeden­falls kein Fall vor, in dem das Unrecht der Tat nur als mehr­fa­che Geset­zes­ver­let­zung erschöp­fend gekenn­zeich­net wer­den kann 4. Ohne Bedeu­tung ist auch, dass die Brand­stif­tung inso­weit im Ver­suchs­sta­di­um ste­cken geblie­ben ist. Wird ein zum Schutz­gut gehö­ren­des Tat­ob­jekt beschä­digt und die Schä­di­gung wei­te­rer Objek­te nur ver­sucht, ist der Tat­be­stand eben­falls nur ein­mal ver­wirk­licht 5.

Im Hin­blick auf die brand­be­ding­ten Schä­den an der Gara­ge und dem Pkw der Ehe­leu­te T. kommt eine tat­ein­heit­li­che Ver­ur­tei­lung des Ange­klag­ten wegen Sach­be­schä­di­gung gemäß § 303 StGB nicht in Betracht. Grund­sätz­lich geht die voll­ende­te Brand­stif­tung gemäß § 306 Abs. 1 StGB einer durch die­sel­be Hand­lung ver­wirk­lich­ten Sach­be­schä­di­gung nach § 303 StGB als das spe­zi­el­le­re Gesetz vor 6. Das gilt auch hier, denn die in Bezug auf die Gara­ge und den Pkw der Ehe­leu­te T. ver­ur­sach­ten Schä­den sind Bestand­tei­le des durch die Inbrand­set­zung des Pkw der Mut­ter des Ange­klag­ten aus­ge­lös­ten Rechts­guts­an­griffs, der ein­heit­lich als voll­ende­te Brand­stif­tung gemäß § 306 Abs. 1 StGB zu bewer­ten ist.

Schließ­lich ist der Ange­klag­te in Bezug auf die an sei­nem Wohn­haus ent­stan­de­nen Schä­den auch zu Recht nicht wegen fahr­läs­si­ger Brand­stif­tung gemäß § 306d Abs. 1 i.V.m. § 306a Abs. 1 Nr. 1 StGB ver­ur­teilt wor­den. Inso­weit fehlt es bereits an einem "teil­wei­sen Zer­stö­ren" im Sin­ne des § 306 Abs. 1 StGB, denn die fest­ge­stell­ten Beschä­di­gun­gen an den Fens­tern und der Tür im Erd­ge­schoss haben ersicht­lich nicht dazu geführt, dass ein­zel­ne wesent­li­che Tei­le des Hau­ses, die sei­ner tat­be­stand­lich geschütz­ten Zweck­be­stim­mung (Woh­nen als Mit­tel­punkt mensch­li­chen Lebens) ent­spre­chen, unbrauch­bar gewor­den sind oder sei­ne tat­be­stand­lich geschütz­te Zweck­be­stim­mung brand­be­dingt auf­ge­ho­ben wor­den ist 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2016 – 4 StR 487/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2003 – 1 StR 474/​02; BGHR StGB § 306 Kon­kur­ren­zen 1; Beschluss vom 10.02.2009 – 3 StR 3/​09, NStZ-RR 2009, 278, 279 [nur ein Dieb­stahl bei Weg­nah­me meh­re­rer Sachen ver­schie­de­ner Eigen­tü­mer im Zuge einer Tat­aus­füh­rung]; Beschluss vom 14.03.1969 – 2 StR 64/​69, BGHSt 22, 350, 351; Stern­berg-Lie­ben/Bosch in: Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 52 Rn. 24; von Heint­schel-Hein­egg in: Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 52 Rn. 105, Pup­pe in: NK-StGB, 3. Aufl., § 52 Rn. 22; Ris­sing­van Saan in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., 2007, § 52 Rn. 37; Jakobs, Straf­recht All­ge­mei­ner Teil, 2. Aufl., 32. Abschnitt, Rn. 16 ff.; Jescheck, ZStW 67 [1955], 541, 547[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2003 – 1 StR 474/​02; BGHR StGB § 306 Kon­kur­ren­zen 1; Wolf in: Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., § 306 Rn. 51[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 21.11.2000 – 1 StR 438/​00, NStZ 2001, 196, 197 mwN; wei­ter­füh­rend: Rad­tke, Die Dog­ma­tik der Brand­stif­tungs­de­lik­te, 1998, S. 382 f.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2003 – 1 StR 474/​02; BGHR StGB § 306 Kon­kur­ren­zen 1[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 10.08.2011 – 2 StR 272/​11, zitiert nach juris; Beschluss vom 10.02.2009 – 3 StR 3/​09, NStZ-RR 2009, 278, 279 [nur ein Dieb­stahl bei Weg­nah­me meh­re­rer Sachen und ver­such­ter Weg­nah­me wei­te­rer Sachen]; sie­he auch BGH, Beschluss vom 10.05.2011 – 4 StR 659/​10, BGHR StGB § 306 Abs. 1 Kon­kur­ren­zen 3 [Tat­ein­heit bei Brand­stif­tung gemäß § 306 Abs. 1 StGB und ver­such­ter schwe­rer Brand­stif­tung gemäß § 306a Abs. 1 Nr. 1 StGB][]
  6. Wol­ters in: SSW-StGB, 2. Aufl., § 306 Rn. 22 mwN[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 14.01.2014 – 1 StR 628/​13, NJW 2014, 1123, Rn. 10; Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14, 20[]