Brand­stif­tung und die teil­wei­se Zer­stö­rung eines gewerb­lich genutz­ten Gebäu­des

Auch die teil­wei­se Zer­stö­rung eines zu gewerb­li­chen Zwe­cken genutz­ten Gebäu­des erfor­dert eine sol­che von Gewicht. Sie liegt wie im Fall der teil­wei­sen Zer­stö­rung eines Wohn­ge­bäu­des regel­mä­ßig erst dann vor, wenn das Gebäu­de für eine nicht unbe­trächt­li­che Zeit wenigs­tens für ein­zel­ne sei­ner Zweck­be­stim­mun­gen oder wenn ein für die gan­ze Sache zweck­nö­ti­ger Teil unbrauch­bar gemacht wird, fer­ner dann, wenn ein­zel­ne Bestand­tei­le des Gebäu­des, die für einen selb­stän­di­gen Gebrauch bestimmt oder ein­ge­rich­tet sind, wie etwa eine ein­zel­ne Abtei­lung des Gebäu­des, gänz­lich ver­nich­tet wer­den 1.

Brand­stif­tung und die teil­wei­se Zer­stö­rung eines gewerb­lich genutz­ten Gebäu­des

Die Aus­le­gung des Tat­be­stands­merk­mals der teil­wei­sen Zer­stö­rung bei den Brand­stif­tungs­de­lik­ten soll sich nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers auf die Aus­le­gung der gleich­lau­ten­den Tat­be­stands­fas­sung in den §§ 305, 305a StGB ori­en­tie­ren 2. Danach ist ein Gebäu­de im Sin­ne der §§ 306 Abs. 1, 306a Abs. 1, 2 StGB teil­wei­se zer­stört, wenn es für eine nicht unbe­trächt­li­che Zeit wenigs­tens für ein­zel­ne sei­ner Zweck­be­stim­mun­gen unbrauch­bar gemacht, wenn ein für die gan­ze Sache zweck­nö­ti­ger Teil unbrauch­bar wird oder wenn ein­zel­ne Bestand­tei­le der Sache, die für einen selb­stän­di­gen Gebrauch bestimmt oder ein­ge­rich­tet sind, gänz­lich ver­nich­tet wer­den 3. Dabei muss schon wegen der im Ver­gleich zu den §§ 305, 305a StGB deut­lich höhe­ren Straf­dro­hung in den §§ 306, 306a StGB eine Zer­stö­rung von Gewicht vor­lie­gen, das jewei­li­ge Objekt also in einem sei­ner wesent­li­chen Bestand­tei­le betrof­fen sein 4. Die teil­wei­se Zer­stö­rung etwa eines Mehr­fa­mi­li­en­hau­ses hat der Bun­des­ge­richts­hof daher nicht schon dann ange­nom­men, wenn Mobi­li­ar zer­stört wird, son­dern erst dann, wenn eine zu Wohn­zwe­cken bestimm­te „Unter­ein­heit“ wegen der Brand­le­gungs­fol­gen aus der Sicht eines „ver­stän­di­gen“ Woh­nungs­in­ha­bers für eine beträcht­li­che Zeit­span­ne nicht mehr benutz­bar ist 5. Dabei kann sich die län­ger andau­ern­de Unbe­nutz­bar­keit auch aus einer star­ken Ver­ruß­ung erge­ben 6.

Die­ser Aus­le­gungs­maß­stab für das Merk­mal des teil­wei­sen Zer­stö­rens gilt für nicht zu Wohn­zwe­cken genutz­te Gebäu­de glei­cher­ma­ßen. In § 306 Abs. 1 StGB ist auch für die­se Tat­ob­jek­te ein Straf­rah­men vor­ge­se­hen, der den des § 305 StGB deut­lich über­schrei­tet, so dass an die Tat­hand­lung der teil­wei­sen Zer­stö­rung durch Brand­le­gung die­sel­ben, soeben näher dar­ge­leg­ten erhöh­ten Anfor­de­run­gen zu stel­len sind. Ange­sichts der denk­ba­ren Band­brei­te von Zweck­be­stim­mun­gen bei gewerb­lich genutz­ten Gebäu­den wird der Tatrich­ter je nach den Umstän­den des ein­zel­nen Fal­les den kon­kre­ten Zweck zu ermit­teln und in wer­ten­der Betrach­tung unter Berück­sich­ti­gung des Erfor­der­nis­ses der Gewich­tig­keit des Tat­er­folgs zu beur­tei­len haben, ob die Fest­stel­lun­gen zu Art und Umfang der Unbrauch­bar­keit des Gebäu­des ins­ge­samt oder sei­ner zweck­nö­ti­gen Tei­le bzw. der gänz­li­chen Ver­nich­tung ein­zel­ner Bestand­tei­le die Annah­me einer teil­wei­sen Zer­stö­rung im Sin­ne des § 306 Abs. 1 Nr. 1 StGB recht­fer­ti­gen. Dies muss in den Urteils­grün­den im Ein­zel­nen dar­ge­legt wer­den.

Gemes­sen dar­an bedarf im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Fra­ge, ob sich der Ange­klag­te einer teil­wei­sen Zer­stö­rung des Ver­wal­tungs­ge­bäu­des der Fir­ma durch Inbrand­set­zung der in dem Gebäu­de befind­li­chen Tee­kü­che straf­bar gemacht, erneu­ter tatrich­ter­li­cher Prü­fung. Dass das Gebäu­de als Sitz der Ver­wal­tung der Fir­ma für eine sei­ner Zweck­be­stim­mun­gen durch Inbrand­set­zung der Tee­kü­che für eine nicht unbe­trächt­li­che Zeit unbrauch­bar gemacht wur­de, liegt ins­be­son­de­re ange­sichts der unter­ge­ord­ne­ten Bedeu­tung des betrof­fe­nen Rau­mes für den Wid­mungs­zweck des Gesamt­ge­bäu­des eher fern. Ent­spre­chen­des gilt erst recht für die Fra­ge, ob die Tee­kü­che als für das gan­ze Gebäu­de zweck­nö­ti­ger Teil oder als für einen selb­stän­di­gen Gebrauch bestimm­te und ein­ge­rich­te­te Abtei­lung anzu­se­hen ist. Ob sich der Ange­klag­te, soll­te das Land­ge­richt zum Vor­lie­gen zumin­dest einer die­ser Vor­aus­set­zun­gen kei­ne Fest­stel­lun­gen tref­fen kön­nen, eines Ver­suchs im Sin­ne des § 306 Abs. 1 Nr. 1 StGB oder ledig­lich einer Sach­be­schä­di­gung straf­bar gemacht hat, wird im Wesent­li­chen davon abhän­gen, wel­che Vor­stel­lun­gen des Ange­klag­ten zum Tat­ver­lauf der zu neu­er Ver­hand­lung und Ent­schei­dung beru­fe­ne Tatrich­ter für erwie­sen hält.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Okto­ber 2011 – 4 StR 344/​11

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14[]
  2. vgl. BT-Drucks. 13/​8587 S. 88[]
  3. BGH, Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14, 20 zu § 306a StGB m. Anm. Rad­tke, NStZ 2003, 432; LK-StG­B/­Wolff, 12. Aufl., § 306 Rn. 13 f.; SSWStGB/​Wolters § 306 Rn. 14[]
  4. BGH, Urteil aaO, S. 18[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.05.2008 – 4 StR 20/​08, NStZ 2008, 519, Tz. 2; Beschluss vom 10.01.2007 – 5 StR 401/​06, NStZ 2007, 270, Tz. 11[]
  6. BGH, Beschluss vom 05.12.2001 – 3 StR 422/​01, StV 2002, 145[]