Brand­stif­tung – und die (teil­wei­se) Zer­stö­rung eines Gebäu­des

Ein Gebäu­de ist teil­wei­se zer­stört, wenn es für eine nicht unbe­trächt­li­che Zeit wenigs­tens für ein­zel­ne sei­ner Zweck­be­stim­mun­gen unbrauch­bar gemacht wird, wenn ein für die gan­ze Sache zweck­nö­ti­ger Teil unbrauch­bar wird oder wenn ein­zel­ne Bestand­tei­le der Sache, die für einen selb­stän­di­gen Gebrauch bestimmt oder ein­ge­rich­tet sind, gänz­lich ver­nich­tet wer­den 1.

Brand­stif­tung – und die (teil­wei­se) Zer­stö­rung eines Gebäu­des

Dafür genü­gen brand­be­ding­te Schä­den in Kel­ler­räu­men eines Wohn­hau­ses, wenn die­se wegen der Beein­träch­ti­gun­gen für einen gewis­sen Zeit­raum nicht ihrer sons­ti­gen Bestim­mung ent­spre­chend ver­wen­det wer­den kön­nen 2.

Ob ein Zer­stö­rungs­er­folg vor­liegt, muss der Tatrich­ter nach den Umstän­den des Ein­zel­falls unter Berück­sich­ti­gung der kon­kre­ten Nut­zungs­zwe­cke beur­tei­len 3. Er hat objek­tiv anhand des Maß­stabs eines "ver­stän­di­gen Woh­nungs­in­ha­bers" zu bewer­ten, ob die Zeit­span­ne der Nut­zungs­ein­schrän­kung oder auf­he­bung für eine teil­wei­se Zer­stö­rung durch Brand­le­gung aus­reicht. Der Zeit­raum muss beträcht­lich sein; weni­ge Stun­den oder ein Tag rei­chen nicht 4.

Gemes­sen hier­an beleg­ten in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall die land­ge­rich­ti­chen Urteils­grün­de eine Zer­stö­rung der Wasch­kü­che nicht. Nach den Fest­stel­lun­gen muss­ten als Fol­ge des Bran­des elek­tri­sche Lei­tun­gen, Was­ser­häh­ne und der Putz an den Wän­den und Decken – eben­so wie die nicht zum Gebäu­de gehö­ren­den Gerä­te – aus­ge­tauscht wer­den. Zwar tei­len die Urteils­grün­de mit, die erfor­der­li­chen Reno­vie­rungs­ar­bei­ten "am Gebäu­de" dau­er­ten knapp zwei Mona­te und kos­te­ten rund 12.300 Euro. Die­sen Aus­füh­run­gen kann der Bun­des­ge­richts­hof jedoch auch im Gesamt­zu­sam­men­hang des Urteils 5 nicht ent­neh­men, ob und wie lan­ge der Wasch­kel­ler wäh­rend der Reno­vie­rungs­ar­bei­ten nicht benutzt wer­den konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. April 2018 – 4 StR 624/​17

  1. BGH, Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14, 20; Beschlüs­se vom 20.10.2011 – 4 StR 344/​11, BGHSt 57, 50, 51 f.; vom 16.08.2017 – 4 StR 320/​17, Stra­Fo 2017, 474; vom 05.09.2017 – 3 StR 362/​17, Rn. 24; LK/​Wolff, StGB, 12. Aufl., § 306 Rn. 13; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 2. Aufl., § 306 Rn. 56[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – 2 StR 399/​10, BGHSt 56, 94, 97; Beschluss vom 06.03.2013 – 1 StR 578/​12, NStZ 2014, 647, 650[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 20.10.2011 – 4 StR 344/​11, BGHSt 57, 50, 52; vom 14.01.2014 – 1 StR 628/​13, NJW 2014, 1123, 1124[]
  4. BGH, Urteil vom 12.09.2002 – 4 StR 165/​02, BGHSt 48, 14, 20; Beschlüs­se vom 06.05.2008 – 4 StR 20/​08, NStZ 2008, 519; vom 14.01.2014 – 1 StR 628/​13, NJW 2014, 1123, 1124[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 17.11.2010 – 2 StR 399/​10, inso­fern nicht abge­druckt in BGHSt 56, 94[]