BTM-Besitz – als Dau­er­de­likt

Der als Dau­er­de­likt aus­ge­stal­te­te Tat­be­stand des uner­laub­ten Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln in § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BtMG erfasst das von einem Besitz­wil­len getra­ge­ne tat­säch­li­che Herr­schafts­ver­hält­nis über eine Betäu­bungs­mit­tel­men­ge bis zu deren Auf­he­bung.

BTM-Besitz – als Dau­er­de­likt

Dient der Besitz an den Betäu­bungs­mit­teln dem Zweck der gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­äu­ße­rung, tritt die Straf­bar­keit wegen Besit­zes hin­ter das uner­laub­te Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln zurück 1.

Dies gilt indes nur, soweit der ein­heit­li­che Besitz von Betäu­bungs­mit­teln in dem Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln auf­geht 2.

Besitzt der Täter Betäu­bungs­mit­tel teils zu Han­dels­zwe­cken und teils aus ande­ren Grün­den, geht ledig­lich der Besitz an der zum Han­del bestimm­ten Betäu­bungs­mit­tel­men­ge im Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln auf, wäh­rend es für die ande­ren Zwe­cken die­nen­de Men­ge bei der Straf­bar­keit wegen uner­laub­ten Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln ver­bleibt.

Zwi­schen dem Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln und dem gleich­zei­ti­gen Besitz der davon nicht betrof­fe­nen Betäu­bungs­mit­tel­men­ge besteht Tat­ein­heit 3.

Nicht anders zu bewer­ten ist der Fall, in dem der Täter – wie hier – bei unver­än­dert fort­be­stehen­der Sach­herr­schaft über die Betäu­bungs­mit­tel­men­ge den ursprüng­lich ver­folg­ten Han­dels­zweck auf­gibt. Auch in die­sem Fall ver­bleibt es für den nach der Auf­ga­be des Han­dels­zwecks nicht mehr im Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln auf­ge­hen­den Besitz bei der Straf­bar­keit wegen uner­laub­ten Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln, die ange­sichts der durch­ge­hend unver­än­dert geblie­be­nen Besitz­la­ge zum Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln im Ver­hält­nis der Tat­ein­heit steht 4.

Allein die Ver­än­de­rung der mit den beses­se­nen Betäu­bungs­mit­teln ver­folg­ten Zweck­set­zung, die vom tat­be­stand­lich erfor­der­li­chen Besitz­wil­len zu unter­schei­den ist 5, ist nicht geeig­net, einen ein­heit­li­chen Betäu­bungs­mit­tel­be­sitz in ver­schie­de­ne mate­ri­ell­recht­li­che Taten auf­zu­spal­ten.

Dass das Land­ge­richt den tat­ein­heit­lich zum uner­laub­ten Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge began­ge­nen uner­laub­ten Besitz von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge nicht aus­ge­ur­teilt hat, steht des­sen Berück­sich­ti­gung bei der für die Gesamt­stra­fen­bil­dung rele­van­ten Fra­ge der Been­di­gung nicht ent­ge­gen.

Die Ansicht, an den über die Ver­ur­tei­lung durch das Amts­ge­richt hin­aus andau­ern­den tat­ein­heit­li­chen Besitz von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge "kei­ne wei­ter­ge­hen­den straf­recht­li­chen Kon­se­quen­zen" knüp­fen zu kön­nen, wider­spricht der gesetz­li­chen Rege­lung des § 55 Abs. 1 StGB, die an die Been­di­gung der mate­ri­ell­recht­li­chen Tat anknüpft, und ent­behrt damit jeg­li­cher recht­li­cher Grund­la­ge. Die in die­sem Zusam­men­hang ange­stell­ten Über­le­gun­gen zum Straf­kla­ge­ver­brauch, wonach ein Täter nach rechts­kräf­ti­ger Ver­ur­tei­lung wegen Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln einen unent­deckt geblie­be­nen Rest der zur abge­ur­teil­ten Bewer­tungs­ein­heit gehö­ren­den Betäu­bungs­mit­tel­men­ge ver­kau­fen kön­ne, ohne straf­recht­li­che Kon­se­quen­zen befürch­ten zu müs­sen, sind zudem rechts­ir­rig. Denn sie ver­ken­nen die einer rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung zukom­men­de Zäsur­wir­kung, wel­che eine Auf­spal­tung eines ein­heit­li­chen Gesche­hens in ver­schie­de­ne Taten zur Fol­ge hat 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 26. Okto­ber 2017 – 4 StR 259/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 03.12 2015 – 4 StR 430/​15, NStZ-RR 2016, 82 mwN; vom 17.05.1996 – 3 StR 631/​95, BGHSt 42, 162, 165 f.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 06.09.1988 – 1 StR 466/​88, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 3 Kon­kur­ren­zen 3; Weber, BtMG, 4. Aufl., § 29 Rn. 1370[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 03.12 2015 – 4 StR 430/​15 aaO; vom 25.02.2015 – 4 StR 516/​14, NStZ-RR 2015, 174 jeweils mwN; Kotz in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 29 BtMG Rn. 1209[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 18.06.1974 – 1 StR 119/​74; Beschluss vom 01.10.1980 – 2 StR 497/​80; Weber aaO Rn. 1375[]
  5. vgl. Weber aaO Rn. 1339[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 18.07.1956 – 6 StR 28/​56, BGHSt 9, 324, 326; OLG Karls­ru­he, StV 1998, 22, 29 f.; OLG Hamm, NStZ 2011, 102[]