BTM-Delik­te – und die Schät­zung der Wirk­stoff­men­gen

Da bei Betäu­bungs­mit­tel­straf­ta­ten das Unrecht der Tat und die Schuld des Täters maß­geb­lich durch die Wirk­stoff­men­ge mit­be­stimmt wer­den, sind hier­zu grund­sätz­lich mög­lichst genaue Fest­stel­lun­gen zu tref­fen.

BTM-Delik­te – und die Schät­zung der Wirk­stoff­men­gen

Eine Schät­zung ist rechts­feh­ler­haft, soweit sicher­ge­stell­te Betäu­bungs­mit­tel zur exak­ten Wirk­stoff­be­stim­mung zur Ver­fü­gung ste­hen 1.

Ist eine sol­che nicht mög­lich, muss das Tat­ge­richt unter Beach­tung der ande­ren hin­rei­chend sicher fest­ge­stell­ten Tat­um­stän­de wie Her­kunft, Preis, Aus­se­hen, Beur­tei­lung durch die Tat­be­tei­lig­ten oder Qua­li­tät eines bestimm­ten Lie­fe­ran­ten unter Beach­tung des Grund­sat­zes "in dubio pro reo" die für den Ange­klag­ten güns­tigs­te Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on schät­zen 2.

Der Tatrich­ter ist indes durch den Zwei­fels­satz nicht ver­pflich­tet, von dem durch eine trag­fä­hi­ge Schät­zung ermit­tel­ten Wirk­stoff­ge­halt noch­mals einen Sicher­heits­ab­schlag vor­zu­neh­men 3.

Die­se Maß­stä­be miss­ach­tet das Gericht, indem es in Fäl­len geschätz­ter Wirk­stoff­men­gen der Betäu­bungs­mit­tel Sicher­heits­ab­schlä­ge (hier: von ca. 50 % bei Ecsta­sy, Amphet­amin und Koka­in; bzw. von einem Drit­tel bei Can­na­bis) vor­nimmt. Sol­che Sicher­heits­ab­schlä­ge sind grund­sätz­lich nicht gebo­ten, solan­ge sich aus den Urteils­grün­den nicht ent­neh­men lässt, dass beson­de­re Umstän­de vor­lie­gen, die Abschlä­ge in die­ser Höhe als nach­voll­zieh­bar erschei­nen las­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Novem­ber 2018 – 3 StR 405/​18

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.06.2017 1 StR 227/​17 4; BGH; vom 06.09.2005 3 StR 255/​05, NStZ 2006, 173[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 24.02.1994 4 StR 708/​93 15; Körner/​Patzak/​VolkmerPatzak, BtMG, 8. Aufl., Vor §§ 29 ff., Rn. 331[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 03.05.2017 2 StR 66/​16, Rn. 8; Beschluss vom 28.07.2004 2 StR 189/​04, Rn. 7, für einen Sicher­heits­ab­schlag von 30 %[]