BTM-Han­del – und die Fest­stel­lung des Wirk­stoff­ge­halts

Das Unrecht einer Betäu­bungs­mit­tel­straf­tat und die Schuld des Täters wer­den durch den Wirk­stoff­ge­halt und die Wirk­stoff­men­ge der jeweils gehan­del­ten Dro­gen maß­geb­lich bestimmt, wes­halb hier­zu regel­mä­ßig kon­kre­te Fest­stel­lun­gen zu tref­fen sind 1.

BTM-Han­del – und die Fest­stel­lung des Wirk­stoff­ge­halts

Ste­hen die tat­ge­gen­ständ­li­chen Betäu­bungs­mit­tel für eine Unter­su­chung nicht mehr zur Ver­fü­gung, so muss das Gericht unter Berück­sich­ti­gung ande­rer sicher fest­stell­ba­rer Umstän­de (Her­kunft, Preis, Han­dels­stu­fe, Begut­ach­tun­gen in Par­al­lel­ver­fah­ren etc.) die Wirk­stoff­kon­zen­tra­ti­on – gege­be­nen­falls unter Anwen­dung des Zwei­fels­sat­zes – schät­zen 2.

Allein aus der Anzahl der erwor­be­nen Tablet­ten las­sen sich kei­ne Rück­schlüs­se auf den Wirk­stoff­ge­halt zie­hen, da die Wirk­stoff­kon­zen­tra­tio­nen und kom­bi­na­tio­nen der als Ecsta­sy ver­trie­be­nen Mit­tel in der Pra­xis schwan­ken 3.

Ent­ge­gen der Ansicht des Gene­ral­bun­des­an­walts kann der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall man­gels kon­kre­ter Fest­stel­lun­gen zum Gewicht der erwor­be­nen Ecsta­sy-Tablet­ten auch mit Blick auf die Fest­stel­lun­gen zum Kauf­preis und der Qua­li­täts­be­zeich­nung als "ordent­lich" den Urteils­grün­den im Gesamt­zu­sam­men­hang nicht hin­rei­chend sicher ent­neh­men, dass der Ange­klag­te jeweils Ecsta­sy in einer nicht gerin­gen Men­ge erwarb.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Mai 2016 – 3 StR 138/​16

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschlüs­se vom 06.08.2013 – 3 StR 212/​13, StV 2013, 703; vom 07.07.2015 – 3 StR 223/​15; Weber, BtMG, 4. Aufl., Vor §§ 29 ff. Rn. 914 ff.[]
  2. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Urteil vom 04.03.2010 – 3 StR 559/​09 23; Beschluss vom 06.08.2013 – 3 StR 212/​13, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.1996 – 3 StR 220/​96, BGHSt 42, 255, 267; Beschlüs­se vom 15.03.2001 – 3 StR 21/​01, NStZ 2001, 381; vom 05.08.2010 – 2 StR 296/​10, Stra­Fo 2010, 472; Weber, BtMG, 4. Aufl., § 29a Rn. 104 ff., 114; zur Zuläs­sig­keit der Schät­zung des Wirk­stoff­ge­halts von Ecsta­sy vgl. auch BGH, Urteil vom 11.02.1999 – 4 StR 657/​98, BGHR BtMG § 29a Abs. 1 Nr. 2 Men­ge 7[]