BTM-Han­del in der gemein­sa­men Woh­nung

Allein die Kennt­nis und Bil­li­gung der Lage­rung, der Auf­be­rei­tung oder des Ver­triebs von Betäu­bungs­mit­teln in der gemein­sa­men Woh­nung erfüllt ohne eine irgend­wie gear­te­te, die Han­dels­tä­tig­keit objek­tiv för­dern­de Unter­stüt­zungs­hand­lung nicht die Vor­aus­set­zun­gen der straf­ba­ren Bei­hil­fe 1.

BTM-Han­del in der gemein­sa­men Woh­nung

Einen sol­chen Unter­stüt­zungs­bei­trag der Mit­be­woh­ne­rin durch posi­ti­ves Tun war vor­lie­gend gera­de nicht fest­ge­stellt wor­den. Dass die Mit­be­woh­ne­rin schon bei der Über­las­sung der Mit­nut­zung der Woh­nung an ihren dea­len­den Freund von deren geplan­ter Ver­wen­dung für Rausch­gift­ge­schäf­te wuss­te 2, hat­te das Gericht eben­falls nicht ange­nom­men. Eine auf die künf­ti­ge Hin­nah­me des Rausch­gift­han­dels in der Woh­nung bezo­ge­ne Zusa­ge der Ange­klag­ten, die als psy­chi­sche Unter­stüt­zung der Taten des Mit­an­ge­klag­ten gewer­tet wer­den könn­te 3, lässt sich den Urteils­fest­stel­lun­gen eben­falls nicht ent­neh­men.

Eine Straf­bar­keit wegen Bei­hil­fe durch Unter­las­sen schei­det man­gels Garan­ten­stel­lung der Ange­klag­ten aus. Denn der Inha­ber einer Woh­nung hat grund­sätz­lich nicht recht­lich dafür ein­zu­ste­hen, dass in sei­nen Räu­men durch Drit­te kei­ne Straf­ta­ten began­gen wer­den 4. Ein Aus­nah­me­fall, in wel­chem die Woh­nung wegen ihrer beson­de­ren Beschaf­fen­heit oder Lage – über ihre Eigen­schaft als nach außen abge­schirm­ter Bereich hin­aus – eine Gefah­ren­quel­le dar­stellt 5, ist nicht fest­ge­stellt. Dass die Ange­klag­te aus den durch den Mit­an­ge­klag­ten began­ge­nen Taten Vor­tei­le zog, mag straf­recht­lich unter dem Aspekt der Geld­wä­sche nach § 261 StGB bedeut­sam sein 6, für die Fra­ge des Bestehens einer Garan­ten­pflicht der Ange­klag­ten ist die­ser Umstand ent­ge­gen der Ansicht der Straf­kam­mer indes ohne jede Rele­vanz.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Febru­ar 2016 – 4 StR 459/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 19.12 2013 – 4 StR 300/​13, NStZ 2014, 164; Beschlüs­se vom 17.11.2011 – 2 StR 348/​11, NStZ-RR 2012, 58; vom 02.08.2006 – 2 StR 251/​06, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 67; vom 07.01.2003 – 3 StR 414/​02, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 60[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.12 2013 – 4 StR 300/​13, aaO; Beschluss vom 30.04.2013 – 3 StR 85/​13, NStZ-RR 2013, 249[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 30.04.2013 – 3 StR 85/​13, aaO[]
  4. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 19.12 2013 – 4 StR 300/​13, aaO; Beschluss vom 31.07.1992 – 4 StR 156/​92, BGHR StGB § 13 Abs. 1 Garan­ten­stel­lung 10; Urteil vom 24.02.1982 – 3 StR 34/​82, BGHSt 30, 391[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 24.02.1982 – 3 StR 34/​82, aaO; Beschluss vom 07.01.2003 – 3 StR 414/​02, aaO[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 20.12 2012 – 3 StR 407/​12, NStZ 2013, 546, 549; Weber, BtMG, 4. Aufl., Vor §§ 29 ff., Rn. 677 ff.[]