BTM-Han­del – Mit­tä­ter­schaft oder doch nur Bei­hil­fe?

Ob die Betei­li­gung an einem uner­laub­ten Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln als Mit­tä­ter­schaft oder als Bei­hil­fe zu wer­ten ist, beur­teilt sich nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen über die­se Betei­li­gungs­for­men.

BTM-Han­del – Mit­tä­ter­schaft oder doch nur Bei­hil­fe?

Wesent­li­che Anhalts­punk­te für die Beur­tei­lung kön­nen sein der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Erfolg, der Umfang der Tat­be­tei­li­gung und die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zur Tat­herr­schaft, so dass die Durch­füh­rung und der Aus­gang der Tat maß­geb­lich auch vom Wil­len des Betei­lig­ten abhängt 1.

Dabei deu­tet eine ganz unter­ge­ord­ne­te Tätig­keit schon objek­tiv dar­auf hin, dass der Betei­lig­te nur Gehil­fe ist 2.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall bedeu­te­te dies: Bei der Gesamt­wür­di­gung aller Umstän­de sind die jewei­li­gen Tat­bei­trä­ge der Ange­klag­ten in Bezug auf das Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln als Gehil­fen­tä­tig­keit zu wer­ten. Sie erschöpf­ten sich dar­in, die Mit­an­ge­klag­ten bei deren Aktio­nen zu beglei­ten oder für die­se eng umgrenz­te Auf­trä­ge zu erfül­len. Die von der Straf­kam­mer zur Begrün­dung der Mit­tä­ter­schaft zitier­te Fund­stel­le 3 bezieht sich dem­ge­gen­über auf den selb­stän­dig täti­gen Kurier.

Dabei lag eine Betei­li­gung am voll­ende­ten Han­del­trei­ben vor. Voll­endung tritt ein, wenn der Täter mit sei­nen umsatz­för­dern­den Bemü­hun­gen in Wor­ten oder Taten erkenn­bar begon­nen hat. Dabei reicht bereits der Ein­tritt in ernst­haf­te Ver­hand­lun­gen mit dem poten­ti­el­len Ver­käu­fer bei einem beab­sich­tig­ten An- und Ver­kauf zum gewin­nen­den Wei­ter­ver­kauf aus 4.

Dage­gen ist jeden­falls Mit­tä­ter, wer in eige­ner Per­son alle Tat­be­stands­merk­ma­le der Ein­fuhr mit Wis­sen und Wol­len erfüll­te 5. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Ange­klag­te stän­dig von ande­ren Ban­den­mit­glie­dern über­wacht wur­de und ent­spre­chend der Abspra­che mit die­sen Anwei­sun­gen ent­ge­gen­nahm.

Anders als im Fall der täter­schaft­li­chen Betei­li­gung am ban­den­mä­ßi­gen Han­del­trei­ben 6 kommt der täter­schaft­li­chen Ein­fuhr neben der blo­ßen Bei­hil­fe zum Ban­den­han­del selb­stän­di­ge recht­li­che Bedeu­tung zu, so dass Tat­ein­heit gege­ben ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juni 2017 – 1 StR 188/​17

  1. st.Rspr.; vgl. BGH NStZ 2000, 482[]
  2. st.Rspr.; vgl. BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 58 m.w.N.[]
  3. Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 29 Teil 4 Rdnr. 121[]
  4. Körner/​Patzak/​Volkmer § 29 Teil 4 Rdnr.196 f[]
  5. BGHR BtMG § 30 Abs. 1 Nr. 4 – Täter 1; Körner/​Patzak/​Volkmer, a.a.O., § 29 Teil 5 Rdnr. 169[]
  6. vgl. BGH NStZ-RR 2010, 216[]