BTM-Han­del – mit oder ohne Waf­fe

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen der Qua­li­fi­ka­ti­on aus § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG grund­sätz­lich nicht vor, wenn ledig­lich eine als Gehil­fe am Grund­de­likt straf­bar betei­lig­te Per­son wäh­rend des Tat­zeit­raums eine Schuss­waf­fe oder einen sons­ti­gen Gegen­stand mit sich führt, der sei­ner Art nach zur Ver­let­zung von Per­so­nen geeig­net und bestimmt ist [1].

BTM-Han­del – mit oder ohne Waf­fe

Aus­rei­chend ist aller­dings das Mit­sich­füh­ren eines von § 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMG erfass­ten Gegen­stan­des durch einen Mit­tä­ter des betäu­bungs­mit­tel­recht­li­chen Grund­de­likts, wenn sich der gemein­sa­me Tatent­schluss auf den Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stand bezieht [2].

Dar­über hin­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen aus­nahms­wei­se das Mit­sich­füh­ren einer Schuss­waf­fe oder eines sonst ver­let­zungs­ge­eig­ne­ten und bestimm­ten Gegen­stands durch einen Gehil­fen für die Ver­wirk­li­chung des bewaff­ne­ten Han­del­trei­bens sei­tens des Täters aus­rei­chen las­sen [3]. Wenn aller­dings ein Dea­ler eher zufäl­lig Kennt­nis von dem Mes­ser eines sei­ner Beglei­ter erhält, liegt sehr fern, dass er jeder­zeit auf das Mes­ser selbst hat zugrei­fen oder über des­sen Ein­satz im Wege eines Befehls hat ver­fü­gen kön­nen [4]. Das hat mit der häu­fig als "Leib­wäch­ter­fall" [5] bezeich­ne­ten Aus­nah­me­kon­stel­la­ti­on der Zurech­nung von Gehil­fen­ver­hal­ten zum Täter des Betäu­bungs­mit­tel­de­likts nichts zu tun.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. März 2017 – 1 StR 19/​17

  1. BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2003 – GSSt 1/​02, BGHSt 48, 189, 194; und vom 15.10.2013 – 3 StR 224/​13, StV 2014, 617, 618; sie­he auch BGH, Urteil vom 21.03.2000 – 1 StR 441/​99, NStZ 2000, 433; Patzak in Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 30a Rn. 106[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 04.02.2003 – GSSt 1/​02, BGHSt 48, 189, 192 ff.; und vom 15.10.2013 – 3 StR 224/​13, StV 2014, 617, 618; Urteil vom 10.08.2016 – 2 StR 22/​16, NStZ-RR 2016, 375, 376 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.02.1997 – 2 StR 556/​96, BGHSt 43, 8, 14; Beschluss vom 04.02.2003 – GSSt 1/​02, BGHSt 48, 189, 194[]
  4. zu den Kri­te­ri­en BGH jeweils aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 04.02.2003 – GSSt 1/​02, BGHSt 48, 189, 194[]