Can­na­bis-Plan­ta­ge – und die Neu­auf­zucht vor der ers­ten Ern­te

Bei zwei Abbau­vor­gän­gen han­delt es für sich genom­men um jeweils recht­lich selb­stän­di­ge Taten des Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge 1.

Can­na­bis-Plan­ta­ge – und die Neu­auf­zucht vor der ers­ten Ern­te

Der Umstand, dass mit der Auf­zucht der Pflan­zen aus dem zwei­ten Anbau­vor­gang noch vor der Ern­te der zuvor gezüch­te­ten Pflan­zen begon­nen wur­de, führt zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Denn dar­aus folgt nur eine Gleich­zei­tig­keit der Anbau­vor­gän­ge im Sin­ne einer zeit­li­chen Über­schnei­dung, die für eine tat­ein­heit­li­che Ver­bin­dung als sol­che nicht aus­reicht 2.

Aller­dings ist bei einer Mehr­zahl von Straf­ta­ten für jeden Betei­lig­ten geson­dert zu prü­fen, ob die­se in sei­ner Per­son tat­ein­heit­lich oder tat­mehr­heit­lich zusam­men­tref­fen. Leis­tet ein Betei­lig­ter für alle oder eini­ge Ein­zel­ta­ten einen indi­vi­du­el­len, nur je die­se för­dern­den Tat­bei­trag, so sind ihm die­se Taten – soweit nicht natür­li­che Hand­lungs­ein­heit vor­liegt – als tat­mehr­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen.

Erbringt er dage­gen im Vor­feld oder wäh­rend des Laufs der Delikts­se­rie Tat­bei­trä­ge, durch die meh­re­re Ein­zel­de­lik­te ande­rer Betei­lig­ter gleich­zei­tig geför­dert wer­den, so sind ihm die­se als tat­ein­heit­lich began­gen zuzu­rech­nen, da sie in sei­ner Per­son durch den ein­heit­li­chen Tat­bei­trag zu einer Hand­lung im Sin­ne des § 52 Abs. 1 StGB ver­knüpft wer­den.

Ob die ande­ren Betei­lig­ten die ein­zel­nen Delik­te nach obi­gen Grund­sät­zen ihrer­seits gege­be­nen­falls tat­mehr­heit­lich began­gen haben, ist dem­ge­gen­über ohne Bedeu­tung 3.

Nach die­sem Maß­stab hat sich im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Ange­klag­te des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge in zwei tat­ein­heit­li­chen Fäl­len schul­dig gemacht. Denn er hat zu den bei­den Anbau­vor­gän­gen kei­ne indi­vi­du­el­len, jeweils nur einen Anbau för­dern­den Tat­bei­trä­ge erbracht. Die fest­ge­stell­ten Tat­bei­trä­ge des Ange­klag­ten haben sich viel­mehr auf bei­de Anbau­vor­gän­ge glei­cher­ma­ßen för­dernd aus­ge­wirkt.

Dies gilt im vor­lie­gen­den Fall auch für sei­ne Mit­wir­kung an der Besei­ti­gung eines in den Plan­ta­gen­räum­lich­kei­ten auf­ge­tre­te­nen Was­ser­scha­dens. Zwar kam es hier­zu noch vor Beginn des zwei­ten Anbau­vor­gangs; durch die mit der Scha­dens­be­sei­ti­gung ver­bun­de­ne Wie­der­her­stel­lung der Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Plan­ta­ge wur­de die­ser jedoch eben­falls geför­dert. Soweit sich aus den Urteils­grün­den wei­te­re Auf­ent­hal­te des Ange­klag­ten in der Plan­ta­ge nach ihrer Inbe­trieb­nah­me erge­ben, fol­gen hier­aus eben­falls kei­ne allein auf einen Anbau­vor­gang bezo­ge­nen Tat­bei­trä­ge.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 28. März 2018 – 2 StR 176/​17

  1. BGH, Beschluss vom 15.10.2008 – 2 StR 352/​08, juris; BGH, Urteil vom 20.12 2012 – 3 StR 407/​12 14 [in BGHSt 58, 99 inso­weit nicht abge­druckt][]
  2. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 21.09.2000 – 4 StR 284/​00, BGHSt 46, 146, 153; zum gleich­zei­ti­gen Anbau von Pflan­zen unter­schied­li­cher Rei­fe­gra­de auch BGH, Urteil vom 19.02.2015 – 3 StR 546/​14, BGHR BtMG § 29a Abs. 1 Nr. 2 Kon­kur­ren­zen 2[]
  3. st. Rspr., BGH, Beschluss vom 13.05.2003 – 3 StR 128/​03, NStZ-RR 2003, 265; BGH, Urteil vom 17.06.2004 – 3 StR 344/​03, BGHSt 49, 177, 182 f.[]