Dar­le­hens­ge­wäh­rung – Betrug und Ver­mö­gens­scha­den

Der Betrug ist eine Ver­mö­gens­straf­tat. Nicht die Täu­schung an und für sich, son­dern die ver­mö­gens­schä­di­gen­de Täu­schung ist straf­bar.

Dar­le­hens­ge­wäh­rung – Betrug und Ver­mö­gens­scha­den

Ein Ver­mö­gens­scha­den tritt ein, wenn die Ver­mö­gens­ver­fü­gung des Getäusch­ten unmit­tel­bar zu einer nicht durch einen Zuwachs aus­ge­gli­che­nen Min­de­rung des wirt­schaft­li­chen Gesamt­werts sei­nes Ver­mö­gens führt (Prin­zip der Gesamt­sal­die­rung). Maß­geb­lich ist dafür der Ver­gleich des Ver­mö­gens­wer­tes unmit­tel­bar vor und nach der Ver­fü­gung.

Ob die Hin­ga­be eines Dar­le­hens in Fäl­len der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners einen Ver­mö­gens­scha­den bewirkt, ist nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs daher durch einen für den Zeit­punkt der Dar­le­hens­hin­ga­be anzu­stel­len­den Wert­ver­gleich mit dem Rück­zah­lungs­an­spruch des Dar­le­hens­gläu­bi­gers zu ermit­teln. Die Wert­hal­tig­keit des Rück­zah­lungs­an­spruchs wird dabei durch die Boni­tät des Schuld­ners und den Wert der bestell­ten Sicher­hei­ten bestimmt.

Ein Scha­den ent­steht daher nur, wenn die vor­ge­spie­gel­te Rück­zah­lungs­mög­lich­keit nicht besteht und auch gege­be­ne Sicher­hei­ten wert­los oder min­der­wer­tig sind. Auch bei einer ein­ge­schränk­ten oder feh­len­den finan­zi­el­len Leis­tungs­fä­hig­keit des Schuld­ners ent­steht dem­nach kein Scha­den, wenn und soweit der getäusch­te Gläu­bi­ger über wert­hal­ti­ge Sicher­hei­ten ver­fügt, die sein Aus­fall­ri­si­ko abde­cken und mit uner­heb­li­chem zeit­li­chen und finan­zi­el­len Auf­wand, nament­lich ohne Mit­wir­kung des Schuld­ners und ohne Gefähr­dung durch ihn, sofort nach Fäl­lig­keit, rea­li­sier­bar sind 1.

Ein even­tu­el­ler Min­der­wert des im Syn­al­lag­ma Erlang­ten ist im Ver­fü­gungs­zeit­punkt nach wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se zu beur­tei­len. Dabei ist der Ver­mö­gens­scha­den unter Berück­sich­ti­gung bank­üb­li­cher Bewer­tungs­an­sät­ze kon­kret fest­zu­stel­len und zu bezif­fern 2.

Für die Bestim­mung eines betrugs­re­le­van­ten Scha­dens kommt es auf den Zeit­punkt der Ver­mö­gens­ver­fü­gung, hier also der Aus­zah­lung der Dar­le­hens­va­lu­ta an.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Juli 2016 – – 4 StR 362/​15

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschluss vom 20.05.2014 – 4 StR 143/​14, wis­tra 2014, 349, 350; Beschluss vom 04.06.2013 – 2 StR 59/​13, NStZ-RR 2014, 13, jeweils mwN; vgl. auch SSW-StG­B/­Satz­ger, 2. Aufl., § 263 Rn. 250[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 23.06.2010 – 2 BvR 2559/​08 u.a., BVerfGE 126, 170, 229 zu § 266 StGB; Beschluss vom 07.12 2011 – 2 BvR 2500/​09 u.a., BVerfGE 130, 1, 47 zu § 263 StGB; vgl. dazu BGH, Beschluss vom 20.05.2014 aaO mwN; zur Scha­dens­be­rech­nung bei Über­si­che­rung vgl. BGH, Beschluss vom 01.09.1994 – 1 StR 468/​94, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 43[]